Humanität durch Kooperation (Version 21.01.2023)

Zusammenfassung ("Klappentext")

Auch im 21 Jahrhundert finden immer wieder Kriege statt, inzwischen mit mehr als 1,7 Mill. Toten statt eines konsequenten Kampfs gegen die Klimakatastrophe. Der rationale Egoismus, das Kosten-Nutzen-Denken des Kapitalismus und der politischen Parteien und Autokraten bieten keine nachhaltige Lösung.
Menschenliebe, Mitgefühl, Solidarität und gegenseitige Unterstützung in alltäglicher Kooperation haben über Millionen Jahre die Entwicklung der Menschheit in der Stammesgesellschaft gemacht und sind bis heute das unsichtbare Rückgrat unserer Existenz. Die oft unentgeltliche oder unterbezahlte Care-Arbeit vor allem von Frauen und Müttern bringt die nächste Generation Menschen auf die Welt, kümmert sich um Kranke und Alte. Solidarische Teams sind auch heute zumeist denen mit starkem internem Konkurrenzkampf überlegen.

Die von allen Weltreligionen als Norm anerkannte Goldene Regel, die anderen so zu behandeln, wie Mensch selbst behandelt werden möchte, wird in den Evangelien als Ethik des Jesus von Nazareth berichtet und ebenso vom Humanismus universell vertreten. Sie wurde vom Weltparlament der Religionen in der Erklärung zum Weltethos 1993 als allen Religionen gemeinsame Grundlage der Ethik anerkannt. Sie entspricht der Menschenfreundlichkeit oder -liebe, die eine starke Motivation für Kooperation bietet. Die Goldene Regel bietet Grundlage, ein Vorgehen zum allseitigen Nutzen auszuhandeln.

Kooperation auf der Basis von Menschenfreundlichkeit und Goldener Regel möchte ich "humanistische Kooperation" nennen. Sie findet schon jetzt in hunderttausenden von Initiativen überall auf der Erde statt und überall in Nachbarschaften und Betrieben neben egoistischem Handeln und Konkurrenzkampf. Ein Beispiel ist für mich die Fluthilfe bei der Flutkatastrophe 2021, bei der Tausende selbstorganisiert den Betroffenen teilweise über ein Jahr und länger beim Wiederaufbau halfen. Und die Klimakatastrophe bringt nahezu alle Menschen der Erde in eine ähnliche Situation. Auch die vom Klima wenig betroffenen Gebiete werden die Not in anderen Teilen der Erde zu spüren bekommen.

Humanistische Kooperation ermöglicht es unterschiedlichen Menschen gleichberechtigt, aber auf unterschiedliche Art und Weise an der Kooperation teil zu haben und das Beste ihrer Kompetenzen einzubringen und ihre Schwächen ggf. durch die Stärken Anderer kompensiert zu bekommen. So werden mehr Fähigkeiten eingebracht, als wenn alle dasselbe tun und leisten sollen. Zu der Diversität gehört der individuelle Standpunkt, der die natürliche Informationsfilterblase durchstößt, die jeder Mensch, jede Gemeinschaft durch die Bestätigung bisheriger Wahrheiten bildet. Der offene Widerspruch zeigt das eigentümliche Wissen, die individuelle Erfahrung an oder unerwartetes, ungeplantes Nichtwissen aus den Folgen der praktischen Arbeit. Daraus entsteht eine zusätzliche kooperative Intelligenz.

Trotzdem scheint humanistische Kooperation bisher nicht zu dominieren und das Steuer zu Frieden und Abwenden der Klimakrise herumreißen zu können.
Mir scheint es fehlt bei vielen das Bewusstsein, das humanistische Kooperation nicht nur durch praktische Gemeinschaftsarbeit wirkt, sondern unser Denken verändert. Sie lässt uns einander unser Nichtwissen zeigen und voneinander lernen. Sie erweitert Kompetenzen und Selbstvertrauen in allen Gemeinschaften. Sogar die Betriebe führen sie teilweise als agile Kooperation ein. Die Lebensfreude aus Mitfühlen und Zuneigung in den Gemeinschaften motiviert langfristig. Aber damit humanistische Kooperation wächst, braucht sie auch den Aufbau von Vertrauen durch Beziehungspflege und das Eingehen neuer Beziehungen, Außenstehende immer wieder zum Mitmachen einzuladen. So kann Informationsfilterblase isolierten Denkens, von Konsum und Nützlichkeitsdenken, Egoismus, Fanatismus und Hass durchbrochen und zurückgedrängt werden.

Exkurs zu meinen / unseren Erkenntnisbedingungen: Ich traue mich dies als "Philosoph" zu schreiben, weil alle Philosophen immer auch als Handwerker in Ihrer Existenz, in ihrem Leben stehen und umgekehrt alle die praktisch werken und über die allgemeinen Grundlagen ihrer Arbeit und ihrer Ethik als Theorie ihrer eigenen Lebensführung und der der Gesellschaft nachdenken, Philosophen sind. Philosophie sollte immer auch wissenschaftlich arbeiten, aber darf sich niemals darauf beschränken, sonst verkümmert sie zur Philosophie-Theorie und -Geschichte ohne Erforschung des realen Lebens.
Die Frage der Wahrheit und der Freundschaft zu ihr stellt sich in der vollen Komplexität des Lebens, in dem wir Menschen existieren. Erst dann trifft sie auf das massive Nichtwissen, dass unser Handeln und Entscheiden im Alltag ausmacht. Sie trifft auf unser Erkenntnisinteresse, das jede Wahrheitsfindung ebenso verzerrt, wie die Eingriffe in das Weltgeschehen, die Interaktionen, die für eine jede Beobachtung notwendig sind. Alle Wahrnehmung ist von den Erkenntnisfähigkeiten und Kommunikationen von Menschen vermittelt. Eine von den menschlichen Erkenntnisbedingen unabhängige Objektivität ist und bleibt unerreichbar. Daher meine ich, kein Mensch kann wissen, ob der Wald rauscht, wenn kein Mensch ihn hört. Und wir sind daher gezwungen, im Dialog intersubjektive Wahrheit auszuhandeln, um mit kooperativer Intelligenz über unsere individuelle Beschränktheit hinauszukommen.
Die Suche nach der Wahrheit führt vor allem über die Suche nach Widersprüchen zur Aufdeckung von Nichtwissen. So haben wir die Chance neue Modelle der Welt zu entdecken, die über die Ableitungen aus dem bisher bekannten Wissen hinausgehen. Und das ist seit mehr als 30 Jahren mein Job in der IT, Soft- und Hardware, im Rechenzentrum als Störungs- und Problemmanager.
Die sich aus meiner Sicht immer weiter steigernde Selbstzer-Störungs-Tendenz der Menschheit zwingt mir die Fragen nach dem "WARUM?" und "WAS KÖNNEN WIR ANDERS TUN?" auf und: "Wenn nicht du, wer dann?" Wie Sokrates konnte ich keinen anderen finden, meinen Fragen zu stellen und zu beantworten und mache mich auf den Weg: Hinterfragen und Wissen sammeln und zusammenfügen und dabei notwendigerweise auch meine eigene geistige Beschränktheit aufdecken. Erst wenn ich erkenne, was, wo meine Erkenntnisfähigkeit bisher begrenzt hat, kann ich schauen, was dahinter liegt.

Inhaltsverzeichnis

↑↑  Die aktuelle Situation von Klimakrise und Krieg und was geht es mich an?. 1

↑↑  So viele Engagierte sind schon in Initiativen unterwegs - was kann erreicht werden, wenn die Hundertausenden nicht genug erreichen konnten?. 1

↑↑  Was ist eine humanistischen Kooperation?. 1

↑↑ Was ist die Alternative der humanistischen Kooperation im Vorgehen und die direkte und mediale Wirkung?. 1

↑↑  Aber rettet sich gegenseitig zu helfen schon die Menschheit vor Krieg und Klimakatastrophe?. 1

↑↑  Beispiele für praktisches Vorgehen humanistischer Kooperation. 1

↑↑  Risiken und Nebenwirkungen humanistischer Kooperation. 1

↑↑  Wenn so viele verschiedene Menschen zusammenarbeiten, wie sollen die sich einig werden, was gibt es für Erfahrungen?. 1

↑↑  Wieviel Macht haben viele kleine dezentral - selbstorganisierte Gruppen etwas zu erreichen?. 1

↑↑  Die Macht der Erfahrung. 1

↑↑  Nächste Schritte. 1

Einige tiefergehende Überlegungen zur Entstehung von kooperativer Intelligenz und deren Abwehr im Fanatismus: 1

↑↑  Was ändert sich, wenn Ziel und Zweck nicht mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung - sondern die Mitmenschen und die Lebendigkeit aller Geschöpfe sind?. 1

↑↑  Wie entsteht kooperative Intelligenz?. 1

↑↑  Agile Kooperation kann Probleme angehen, für die kein vollständiger Plan erstellt werden kann. 1

↑↑ Ist der größte Teil menschlicher Dummheit in einer teilweise undurchschaubar erscheinenden Welt - etwa selbstgemacht?. 1

↑↑  Was mutete, traute Jesus seinen Jüngern, einfachen Menschen zu, zu heilen und zu helfen?. 1

↑↑  Wenn humanistische Kooperation seit mindestens 2000 Jahren bekannt ist und jeder Mensch die Freiheit dazu hat - warum tun wir es nicht längst?. 1

↑↑  Können wir einen Willen Gottes erkennen - in den Mitgeschöpfen?. 1

↑↑ Gibt es universelle Gesetze? Du sollst nicht töten?. 1

↑↑ Sollten, können, müssen wir Verbrecher bekämpfen? Und wieder in die Gemeinschaft der Goldenen Regel integrieren?. 1

↑↑ Fanatismus als Deaktivierung des Lernens - Wer nicht irren kann, kann nicht lernen. 1

↑↑ Die Informations-Filterblase als eine treibende Kraft von Autokratendemenz, Untertanendemenz und Fanatismus. 1

↑↑ Ist Fanatismus durch den Verlust kooperativer Intelligenz und durch die selbsterfüllende Prophezeiung von Aggression geprägt?. 1

↑↑  Wie umgehen mit Fanatikern?. 1

↑↑  Nachwort 1

↑↑  Impressum & Disclaimer 1

Archiv vorheriger Menschenwelt-Seiten vor 2015. 1

 

↑↑  Die aktuelle Situation von Klimakrise und Krieg und was geht es mich an?

2021/2022 brachte neue Rekorde hinsichtlich Gletscherschmelze, der CO2 Gehalt der Atmosphäre, die Temperatur der Weltmeere, der Meeresspiegel steigt schneller als je zuvor... Selbst auf den letzten Metern vor den Kipp-Punkten des Erdklima ein neuer Krieg statt Kampf gegen die Klimakatastrophe.
40 Jahre Unfähigkeit mit der klar absehbaren Klimakrise umzugehen und mehr als 1,7 Mill durch Krieg getötete Menschen in den letzten 20 Jahren (
200.000 in Afghanistan 2001-2021 200.000 Irakkrieg 2003, 100.000 Besetzung des Irak 2003-2011 500.000 Bürgerkrieg in Syrien seit 2011 150.000 in Jemen seit 2015, 500.000 in Tigray seit 2020, 100.000 in der Ukraine seit 2022 …) zeigen, dass Autokratien, parlamentarische Demokratien und die UNO mit ihrem Sicherheitsrat grundlegend versagt haben.
Wenn wir jetzt schon Krieg gegeneinander führen, wo die Menschheit noch grundsätzlich in der Lage ist, genug Nahrungsmittel für 8 Mrd. Menschen zu produzieren, zumindest wenn die Formen der Landnutzung darauf ausgerichtet würden[1], wie viele Kriege und entwurzelte Flüchtlinge werden kommen, wenn große Teile der landwirtschaftlichen Nutzfläche beiderseits des Äquators durch die Klimakatastrophe vernichtet wurden?

Die Regierung der Menschheit insgesamt, die Wirkung aller Regierungen aller Länder, gleicht aus meiner Sicht einem Apartheitsregime. Wer das Pech hat am falschen Ort der Erde geboren zu werden, ist weit schlimmer benachteiligt als jemand aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder Religion in Europa oder Nordamerika. Es bedeutet für alle die tapferen Mütter, die die Zukunft der Menschheit auf diese Welt bringen, schlimmstes Leid, wenn ihre liebsten Kleinen nicht genug Essen, Schulbildung, Ausbildung bekommen und ohne Broterwerb bleiben.

Die bisherige Arbeitsteilung von Bevölkerung, Wirtschaftsmanagement und Politik versagt für mich offensichtlich. Wir alle, die 8 Milliarden, müssen uns je nach Fähigkeiten und Möglichkeiten erheben, selbst aktiv werden, "selber ran" und mit anpacken, wenn wir die Klimakrise abschwächen und die Menschheit in Richtung Humanität entwickeln wollen.

↑↑  So viele Engagierte sind schon in Initiativen unterwegs - was kann erreicht werden, wenn die Hundertausenden nicht genug erreichen konnten?

Millionen sind schon engagiert in Ehrenämtern oder in Initiativen unterwegs, siehe www.atenrecherche.de#Initiativen, in der Regel als basisdemokratische Graswurzelbewegung. Aber diese definieren sich oft über ihre Ziele, wie z.B. Fridays for future, extinction rebellion und Letzte Generation als Kampf dafür, Regierungen und Wirtschaft zu Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe zu bewegen.
Darin sehe ich oft eine zweckorientierte Rationalität im Vordergrund, die Ziele als Maßstab für den Wert der Arbeit. Der ethische Altruismus, "ich bin gut", "erfahre Anerkennung, weil ich etwas für andere tue", ist für viele emotional langfristig nur eine magere Befriedigung und sie bleiben den Initiativen fern.

Humanismus feiert die direkte Begegnung der Menschen, emotionalen Austausch, als je individueller Ausdruck von Menschenliebe, Respekt und Achtsamkeit, Kommunikation lässt die goldene Regel lebendig werden und Kooperation setzt den Konsent um. Dieser Vorgang ist universell in allen Familien, Gemeinschaften, Religionen und wird immer schon gelebt allerdings begrenzt und verdeckt durch Regeln, Tabus, Hierarchie und Herrschaft und nicht zuletzt durch die strukturelle Gewalt gesellschaftlicher Verhältnisse wie Armut, Arbeitsknechtschaft, Hunger und Krieg.
Menschenliebe ist kein Gegensatz zur rationalen Zielerreichung, sondern in der humanitären Kooperation solle sie entgrenzt werden, so dass sich das Kümmern um den Nächsten ganz automatisch in ein Kümmern um soziale und natürliche Umwelt, um die Menschheit und die Biosphäre, fortsetzt.

Je umfassender die Ziele und Zielbereiche wie Abwendung der Klimakatastrophe, desto stärker ist die Erfahrung von Ohnmacht angesichts des Umfangs der Probleme. Und desto mehr besteht die praktische Arbeit der Initiativen in Protest und Regelverletzungen, um das Handeln Anderer wie Politikern, Managern, Bürgern … zu verändern. Dass wird von den Betroffenen teilweise als Terror wahrgenommen und schränkt andererseits den eigenen Aktionsradius auf die Beeinflussung von Meinungen und Wahlen ein.
Trotz hohem Einsatz konnte die Regierung durch die
Insulate Britain protests nicht zu einem Einsatz für die Isolierung der Häuser in Großbritannien bewegt werden. Selten können direkte positive Auswirkungen auf das Klima wie bei einer Blockade der Braunkohleverfeuerung durch Ende Gelände erreicht werden und oft sind sie nicht nachhaltig.
Daher versucht die humanistische Kooperation eine alternative Strategie.

↑↑  Was ist eine humanistischen Kooperation?

Menschenliebe und die von allen Weltreligionen anerkannte Goldene Regel, die anderen so zu behandeln, wie Mensch selbst behandelt werden möchte, werden in den Evangelien als Ethik des Jesus von Nazareth berichtet und ebenso vom Humanismus universell vertreten.
Menschenliebe beginnt schon mit Menschenfreundlichkeit und beinhaltet
einen Umgang miteinander, immer auch auf den Vorteil der Mitmenschen bedacht zu sein und dies auch praktisch umzusetzen. Ich bin mir sicher, dass ich in der elterlichen Landwirtschaft etwas erfahren durfte, das universell dem Zusammenleben der Menschen seit Beginn der Menschwerdung zugrunde liegt: Gemeinsame Ziele, Pläne, den anderen mit Auge behalten, mitfühlen, die Hand reichen, Hand in Hand arbeiten … als ein altes Symbol ist das Aufhalten von Türen erhalten geblieben, den Weg frei machen für die, die bepackt sind. Es sind kaum Worte notwendig, aber ein körperliches Mitfühlen, eine Zärtlichkeit immer wieder die emotionale Balance mit den Nächsten einzugehen. Es besteht eine jederzeit gegebene Freiheit meinen Nächsten solidarisch unter die Arme zu greifen, mit einem Lächeln, einem Gruß anzustecken oder ein Bedürfnis nach Distanz zu respektieren. Und es besteht für mich die Notwendigkeit, vor den wichtigen Problemen, denen ich begegne, die Augen nicht zu verschließen, mich zu fragen: Wenn nicht du, wer dann? Erst wenn ich es wage anzufangen, kann ich erleben, ob ich etwas ausrichten kann…

Exkurs: Möglicherweise erwarten manche: "Wenn nicht ich, wer dann". Aber ich rede mit mir als "Du". Mir scheint, dass der Begriff "Ich" nur verdeckt, wie wenig ich weiß, wer dieses Bewusstsein namens "Ich" eigentlich ist, dass sich von Sekunde zu Sekunde, mit jedem inneren Gedanken wandelt. So spreche ich mich mit "Du" an, spreche den antwortenden Gedanken an, wie ich einen anderen Menschen anspreche mit dem Wissen um mein Nichtwissen. So erkunde ich mich selbst im Respekt davor, dass meine Existenz mir teilweise unverfügbar ist, dass ich Geschöpf bin, geboren aus einem Mutterkörper der Teil der Mutterkörper des Universums ist, wie die Gas- und Staubnebel, die Sterne und Planeten gebären. Wie Sonne, Planeten und Keime des Lebens, die Biosphären gebären mit Zellen, Pilzen, Pflanzen, Tieren, Menschen, die Generation um Generation gebären und sich evolutiv weiterentwickeln… Und von allem und allen trage ich in mir und kenne von mir selbst viel mehr nicht, als ich zu kennen glaube.

Der Menschenliebe entspricht die von den allermeisten großen Religionen und Weltanschauungen sogar schriftlich im Weltparlament der Religionen in der Erklärung zum Weltethos 1993 niedergelegte oberste ethische Regel für alle Lebensbereiche ist die Goldene Regel: "Was du willst, das man dir tut, das tue auch den anderen!". Nun will ich aber behandelt werden, wie es mir gefällt und daher sollte ich versuchen, auch meine Mitmenschen so zu behandeln, wie es denen gefällt und nicht die anderen behandeln, wie es mir gefällt. Dazu muss ich fragen, achtsam sein, was ihnen gefällt und ich werde mein Nichtwissen erleben und in der Folge werden wir voneinander lernen, was den anderen gefällt und deren Freude daran lieben lernen.

Die Goldene Regel, "Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12 EU) und das Doppelgebot der Liebe (Mt 22,37-39), liebe Gott Schöpfer und deinen Nächsten wie Dich selbst, fasst nach meiner Erfahrung Jesu Ethik zusammen. Diese Ethik bedeutet keineswegs Selbstaufgabe, dass ich einfach den Anderen gebe, was ich selbst gerne hätte, sondern: Wenn Liebe vor allem ein sich Kümmern um das geliebte Wesen ist, dann bedeutet es, dass ich mich um meine Nächsten kümmere, wie um mich selbst. Es heißt auch nicht, dass meine Wünsche die Maßstäbe dafür sind, was ich anderen gebe, sondern ich möchte ja behandelt werden, wie ich es mir wünsche - und die anderen, wie sie es sich wünschen.
Also sind Dialoge, Verhandlungen notwendig, was das Beste für alle Beteiligten ist. Pläne schmieden, was wie erreicht werden kann und diese immer wieder an die Wirklichkeit anzupassen, die sich anders entwickelt als erwartet. Daraus erwächst
kooperative Intelligenz wie ich später detailliere. Sie schafft Erkenntnisgewinne, Entdeckungen, Erfolge und Lebensfreude, die mich intrinsisch motivieren.

Eine Kooperation im Bewusstsein dieser humanistischen Ethik von Menschenfreundlichkeit oder -liebe und Goldener Regel möchte ich "humanistische Kooperation" nennen.

Ein Vertrauen, dass das, was ich den anderen schenke, nicht gegen mich verwendet wird, ist die Voraussetzung für eine transparente Kommunikation, in der ich den anderen alle Information offen mitteile, die für die Mitstreiter und die Kooperation wichtig sein können, auch das eigene Nicht-Wissen. Erst im offenen Dialog können sich die emotionalen und rationalen geistigen Fähigkeiten der Menschen voll zu entfalten und zusätzliche kooperative Intelligenz entsteht zur eigenen und allseitigen Lebenslust.

↑↑ Was ist die Alternative der humanistischen Kooperation im Vorgehen und die direkte und mediale Wirkung?

Praktische Kooperation, die positive Dinge aufbaut, kann zugleich eine direkte Wirkung UND den medialen Protest gegen bisheriges schädliches Handeln zeigen. Auch wenn die Wirkung nur lokal begrenzt ist, so freuen sich nicht nur die Betroffen, für die etwas getan wurde, sondern auch für die, die mit angepackt haben. Gemeinsame Freude ist doppelte Freude und das scheint mir eine weit bessere intrinsische Motivation als rationale Zielerreichung allein zu sein, auch wenn Erfolg Teil der Freude ist. Für mich ebenso wie für viele, die mir nahe sind, gibt es kaum größere Freude als gemeinsames Gelingen unter Gleichen.

Der Lohn humanistischer Kooperation ist das ganzheitliche Erleben der Nächsten in der Kooperation, dass mir oft so viel Freude bereitet, dass sich die Frage nach dem Tauschwert und ausgleichender Gerechtigkeit gar nicht stellt. Das Tun ist es wert und das Vertrauen, das solche Kooperation immer wieder möglich ist, schafft Geborgenheit. Bei der Fluthilfe bei der Flutkatastrophe 2021, haben Tausende selbstorganisiert den Betroffenen geholfen. Selbst Bergepanzer, die den Kontakt zum Stab der Bundeswehr verloren haben, arbeiteten eigeninitiativ einfach tagelang weiter. Teams ebenso wie einzelne Helfer haben teilweise über ein Jahr und länger regelmäßig unentgeltlich beim Wiederaufbau geholfen. Aber auch viele Einzelpersonen haben einfach Wasser, Nahrung und andere Bedarfe angefahren und verschenkt.

Wenn wir uns gegenseitig in unserer Lebendigkeit helfen, dann tragen wir zur Weitergabe des Lebens, zum Strom des Lebens in der Biosphäre bei. Die Wirkungen, die unser Handeln initiiert hat, setzen sich in den Folgen von Ursache und Wirkung unabsehbar endlos fort, auch über unseren persönlichen Tod hinaus. Daher "Pflege das Leben, wo du es triffst."(Hildegard von Bingen). Indem ich mich von anderen Menschen beschenken lasse und meine Fähigkeiten wiederum an Menschen weiterschenke, leben die Impulse meiner Handlungen, Kommunikationen und Gedanken weiter bis in die nächsten Generationen, selbst wenn ich als Person vergessen bin.

Humanistische Kooperation ist nicht auf rationale Argumente und Kontrolle beschränkt, unterliegt keiner steuernden Zentralinstanz. Sie ist nach meinem Wissen und Erfahrung erprobt bei Quäkern, Freimaurern und seit mehr als 2000 Jahren im frühen Christentum bis zur Konstantinische Wende ab 313 n.Chr. und fortgeführt in vielen kleinen selbstorganisierten christlichen Gruppen, in der Umma der muslimischen Gemeinden, im Buddhismus, in vielen indigenen Völkern, soweit meine begrenzten Kenntnisse reichen…. so die Philosophie des Ubuntu (Xhosa/Zulu): ein Teilen aus Menschenliebe als Teil einer größeren Menschheit - ich bin, weil Du bist. Und sie ist Teil moderner Managementkonzepte in Betrieben wie den flachen Organisationsformen Soziokratie und agiler Kooperation und der Vorgehensweise Design Thinking zum Lösen praktischer Aufgaben und Probleme.

Humanistische Kooperation gibt allen, die Beitragen wollen, die Möglichkeit sich an der Arbeit zu beteiligen. Keine Mitgliedschaft oder sonstige Kriterien sollten Voraussetzung für Teilnahme und Mitarbeit sein als nur der Wille mitzuarbeiten und positiv beizutragen mit entsprechendem Engagement, so wie es die Quäker seit 300 Jahren praktisch leben. Dabei wird versucht zu respektieren, dass jeder Mensch aus einer spezifischen Lerngeschichte heraus gewachsen ist, mit spezifischen Fähigkeiten und unterschiedliche Kompetenzen einbringt und ggf. Schwächen durch die Stärken Anderer kompensiert zu bekommt. So werden mehr Fähigkeiten eingebracht, als wenn alle dasselbe tun und leisten sollen.

Andererseits sind Bedürfnisse und Geschmack unterschiedlich, für die Eine steht Funktion und für den Anderen Ästhetik im Vordergrund.
Der Respekt vor jedem spezifisch gewachsenen Kind Gottes, mit einem je eigenen geistigen Licht ausgestattet, sollte da etwas vor Leistungsvergleichen und dem "Jahrmarkt der Eitelkeiten" schützen.

Die wertvolle intrinsische Motivation der humanistischen Kooperation verleitet dazu, das, was als selbstverständlich erscheint, kaum zu beachten und bekannt zu geben. Je weniger intrinsische Motivation, desto mehr der Nutzen für das Gemeinwohl im Vordergrund steht, desto mehr soziale Bestätigung wird benötigt und es wird entsprechende mediale Veröffentlichung anstrebt. Dies wirkt auf die intrinsische Motivation eher verfälschend, "korrumpierend", da soziale Anerkennung unbeteiligter Dritter nicht Teil der authentischen Kommunikation in der Gruppe ist.

Aber die Freude an humanistischer Kooperation und den Gemeinschaften, in denen sie gelingt, sollte auch das Bewusstsein für die soziale Umwelt, für die Menschen beinhalten, die nicht daran teilnehmen, die vielleicht nicht einmal wissen, dass so etwas möglich ist und wie es sich anfühlt. Das lässt sich eigentlich nicht in Worten beschreiben, sondern nur erleben. Humanistische Kooperation kann sich als soziale Interaktion nur ausbreiten, wenn davon berichtet wird und zur Teilnahme an der Kooperation oder ähnlichen Initiativen eingeladen wird. Erst im hohen Alter zu entdecken, das Jahrzehnte einer möglichen Teilnahme uneinholbar verpasst wurden, weil die Möglichkeit nicht einmal erahnt wurde, ist schmerzhaft.

Wenn wir uns um den Mitmenschen kümmern und uns von denen, die uns nahe sind helfen lassen, dann helfen wir der ganzen menschlichen Welt - wenn dieser Umgang, dieses Verhalten wachsen kann, möglichst viele Menschen erreichen kann und nicht auf bestehende Gemeinschaften und Familie beschränkt ist.
Jede gelungene Kooperation bietet die Möglichkeit, eine Beziehung zu pflegen, Vertrauen und Bereitschaft, das das wieder passieren kann und das Erleben macht überhaupt erst verständlich, was einander helfen aus Freude aneinander, was humanistische Kooperation ist.

Und dieses Tun ist subversiv, es verändert vorhandene soziale Strukturen und Machtverhältnisse durch eine Evolution von unten in einer neuen sozialen Struktur, die offen ist für alle Menschen, die beitragen wollen.

Ich stelle mir eine Evolution, keine Revolution vor, weil keine radikalen Maßnahmen die Wurzeln bisherigen Lebens herausreißen, sondern der Transfer zwischen den Menschen wird verändert, wo dies das Leben fördert. Wenn praktische Ergebnisse und Erfahrungen vorrangig den Wert des Tuns bestimmen statt Meinungen ohne Argumente oder Argumente ohne Belege, dann schafft das eine kulturelle, ethische Veränderung, deren Erfahrungen und Wirkungen auch in andere soziale Zusammenhänge wie Politik, Wirtschaft und Familien hineinreichen.

↑↑  Aber rettet sich gegenseitig zu helfen schon die Menschheit vor Krieg und Klimakatastrophe?

Ich glaube ja: Wenn ich den anderen nicht nur kleine Nettigkeiten erweisen will, sondern eine langfristige lebens- und liebenswerte Existenz unterstütze, dann komme ich ganz schnell wieder auf das Ziel, die Klimakrise zu entschärfen - und Frieden ist nicht mehr nur Waffenruhe, sondern eben humanistisch als gegenseitige Beförderung von Leben und Entwicklung Anderer zu verstehen: anderer Menschen, der Menschheit, der Umwelt.

·       Gegenseitige Hilfe wirkt nicht nur bei den Empfängern, sondern auch bei den Helfern: Ihre Kräfte, ihr Selbstvertrauen, ihre Selbstwirksamkeitserwartung wachsen.

·       Wähler, die aktiv Projekte umsetzen, beeinflussen die Politiker mehr als Proteste, denn diese wissen, Werte und Projekte, für Dich ich gearbeitet habe, mit denen identifiziere ich mich mehr als nur mit theoretischen Überlegungen und medialen Äußerungen.

·       Kompetente Wähler lassen sich für Parlamente aufstellen oder prüfen diese mit Qualitätskontrolle und Bürgerräten und -initiativen.

·       Gemeinschaftsarbeiten sind nicht nur direkt wirksam, sondern zugleich Monumente der Geisteshaltung, die sie eigeninitiativ hervorgebracht hat und der Fähigkeit der Bürger zur Selbstorganisation.

·       Die unterschiedlichen Wege auf gemeinsame Werte und Ziele hin haben aus meiner Sicht das Potential eine relevante Wirkung auf Klimakrise und Frieden zu entwickeln. Die Erfahrungen sind vielfältiger und ermöglichen erfolgreiche Maßnahmen schnell zu unterstützen.

·       Selbst wenn sich eine Klimakrise mit massiven Auswirkungen auf die Existenzgrundlage für Milliarden Menschen nicht mehr oder nur teilweise abwenden lässt, haben wir die Chance durch agile Kooperation das Leid für viele so gering wie möglich zu halten und uns Lebensfreude, Frieden und möglichst viel der humanistischen Werte Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit zu erhalten.

↑↑  Beispiele für praktisches Vorgehen humanistischer Kooperation

Mit je mehr vielfältigen und kreativen Aktionen der Einsatz für Mitmenschen und Umwelt deutlich und ökonomisch wirksam wird, desto größer wird der mediale und politische Einfluss - tue Gutes und rede darüber. Nicht nur Amishe sind in der Lage an einem Wochenende eine Scheune zu bauen, auch in Ratingen gibt es einen "Siedlerverein 1947", dessen Häuser die Mitglieder nach dem 2. Weltkrieg in Gemeinschaftsarbeit errichteten.
Eine solche Evolution von Unten durch Kooperation würde die bisherigen Institutionen nicht ersetzen, sondern ergänzen und Impulse zur Weiterentwicklung geben.

Mögliche Projekte einer Evolution von Unten durch humanistische Kooperation:

·       Gemeinsam Kochen, Feste feiern…

·       Ungenutztes verschenken, Upcycling, Flohmarkt …

·       Gemeinschaftsarbeit: Umzüge durchführen, Häuser renovieren und isolieren, …

·       Gemeinsam Steingärten in grüne Gärten wandeln, gemeinsame Gärten, Biotope anlegen, Regenwasserzisternen …,

·       Plug-in-Photovoltaikmodule (Balkonsolaranlagen) montieren

·       Gemeinsam Wohnen, Carsharing, Coworking…,

·       Engagierte in Ehrenämtern, die mit denen sie helfen Begegnung auf einer Ebene anstreben und sich umgekehrt in ihrer Arbeit und als Person unterstützt lassen

·       Bürgerräte, Beiräte für Parlamente und Institutionen einfordern und bilden…,

·       Institutionen und Politikern in der Wikipedia.org, in Wikibooks und anderen System aufbereitetes Wissen anzubieten…, z.B. in einer Wiki-Datenbank gesellschaftspolitisch relevanter Fakten

·       Einen Pressedienst, eine Datenbank politischer Fakten und ihre Evaluation und Validierung

·       Eine Datenbank von Waren, von denen nicht nur die Inhaltsstoffe bekanntgegeben werden, sondern auch der ökologische Fußabdruck, die Lieferkette und die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Produktiven

·       Internationale Hilfe von Bürgern für Bürger vor Ort oder durch Direktspenden

·       Gegenseitige Hilfe von Nachbarschaftskreisen, Initiativen, Vereinen…, auch international über Landesgrenzen hinweg in Kampagnen für bessere Versorgung, gegen Hunger, für Aufforstung …

·       Unterstützung für Bevölkerungsgruppen, denen bisher eine Staatengründung verwehrt wurde wie den Kurden und anderen Unrepresented Nations and Peoples durch Kooperation und Handel

Vieles wird auch jetzt schon in kleineren Kreisen umgesetzt, aber es wäre eine neue Qualität in der Solidarität und dem generellen Verschenken der eigenen Lebendigkeit an andere Lebewesen, um der Freude willen und des Weiterlebens auch über den individuellen Tod hinaus. Wir können nur Solidarität im Existenzkampf gegen die Klimakatastrophe erwarten, wenn wir solidarisch einander im alltäglichen Existenzkampf beistehen.

↑↑  Risiken und Nebenwirkungen humanistischer Kooperation

Kooperation bedeutet sich zu vereinbaren, auf Regeln, Ziele, Aufgaben zu einigen und Verantwortung zu übernehmen. Das schränkt einerseits die individuelle Freiheit ein, macht aber andererseits Aufgaben und Tätigkeiten möglich, die ich nicht allein schaffen kann. Damit werden Ziele erreichbar, zu denen sonst nicht die Freiheit bestanden hätte, dafür zu arbeiten und sie zu erreichen. Nur mit 21 anderen habe ich die Freiheit ein Fußballspiel zu spielen, allein kann ich nur ein bisschen gegen die Wand kicken.

Nachbarschaftliche Gemeinschaftsarbeit ist als Nachbarschaftshilfe auch in Deutschland gesetzlich geschützt. Gemeinnützige Gesellschaften wie gemeinnützige Vereine und gGmbH's, gemeinnützige Genossenschaften schützen vor finanziellen Risiken.

Ich will die Veränderung von Vorgehen und Wirkungen einmal detaillieren.

↑↑  Wenn so viele verschiedene Menschen zusammenarbeiten, wie sollen die sich einig werden, was gibt es für Erfahrungen?

Um nach der Goldenen Regel gemeinsam Pläne zu erarbeiten, die allen Nutzen oder zumindest keinem ohne Ausgleich schaden, gibt es Formen der Basisdemokratie, in der alle Beteiligten gleiches Recht der Teilhabe und Mitbestimmung haben, ohne dass eine Mehrheit über eine Minderheit bestimmt. Wenn eine kleine oder große Gemeinschaft einen Plan hat, gegen den niemand, der teilnimmt, mehr einen gravierenden Einwand hat, wie im Konsent der Soziokratie oder der Geschäftsversammlung einer Quäkergruppe, dann ist die Kooperation koordiniert und die Arbeit, die Umsetzung kann beginnen.

Gleichbehandlung aller ist nicht unbedingt gerecht. Gleiche Rechte für unterschiedliche Menschen bedeute Gleichberechtigung. Wenn man unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen gleich behandelt, bedeutet das nicht, dass dies gerecht ist. Wenn ich den Geschirrspüler und Waschmaschine betreibe, wie lässt sich das damit vergleichen, dass meine Frau kocht? Muss sie nicht viel mehr Know-how einsetzen? Wie lässt sich eine hochwertige Tätigkeit mit viel Kompetenz und Spaß dabei vergleichen, mit einer harten Arbeit, die aber vielleicht auch als Workout Spaß macht, nur viel länger dauert?
Die Unterschiedlichkeit führt zu asymmetrischem Austausch, der aber gelingt, wenn die Beteiligten zufrieden sind, zu mindestens keiner schlechter gestellt ist und jeder weiß, dass bei Unzufriedenheit auch gegebenenfalls die Vereinbarung neu ausgehandelt werden kann.

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst ermöglicht nicht nur den Anderen etwas zu gönnen, sondern auch sich selbst zu lieben. Das beinhaltet sich selbst zu spüren, Sensibilität für die eigenen Gefühle, für das eigene Wohlergehen zu üben. Viele Menschen scheinen Konsum nicht deshalb anzustreben, weil sich der Konsum gut anfühlt, sondern weil sie damit rational besser dastehen als ihr Nachbar. Es wird letztlich immer unbefriedigend bleiben, wenn ein 2,5t PKW notwendig erscheint, nur weil der Nachbar zur Rechten einen mit 2,2t hat, denn der Nachbar zur Linken könnte auf 2,8t gehen …. Dafür in der Stadt unter Zeitdruck teilweise verzweifelt zu versuchen, das Monster mittels eines Parkplatzes wieder loszuwerden, fühlt sich sicher nicht gut an. Mir scheint, zu üben, das Leben zu genießen mit dem was Mensch hat, ist sehr befriedigend und ressourcenschonend.

Von den großen Propheten Jesus, Mohammed und Buddha wird überliefert, wie sie ethische Entscheidungen diskutierten und ihre Anhänger anleiteten, solche selbst zu fällen. Die Übung des Verzeihens ist wesentliche Voraussetzung dafür, immer wieder neu den Dialog aufzunehmen, der Voraussetzung für Entscheidungsfindung und Bildung von Konsens und Konsent ist. Konsent heißt, dass gegen einen Plan kein Widerspruch, keine Bedenken vorliegen. Er ist einfacher zu erreichen als Konsens, der die Zustimmung aller Beteiligten benötigt.

Die dezentrale gleichberechtigte Organisation der griechischen Demokratien, des Frühchristentums wie es Paulus in seinen Briefen berichtet und der Umma, der solidarischen muslimischen Gemeinde, sind frühe Beispiele gleichberechtigter Selbstorganisation, von denen es mit Sicherheit viele mehr gibt, die mir unbekannt sind. Diese Kraft der Kooperation haben die Menschen in den letzten 2000 Jahren immer wieder in ganz verschiedenen Gemeinschaften und Kooperativen aufgenommen.

Basis für humanistische Kooperation ist die Freiheit, dass alle Menschen, die möchten, mit gleichen Rechten an dem Prozess teilnehmen können und einander in ihrer Verschiedenheit geschwisterlich fördern. Und jeder Mensch, der noch die Freiheit hat, mit seinen Nachbarn zu reden und zu gemeinschaftlich handeln, kann die Kraft der Kooperation entfalten.

↑↑  Wieviel Macht haben viele kleine dezentral - selbstorganisierte Gruppen etwas zu erreichen?

Eine der größten Machtfaktoren sind die Kaufentscheidungen der Konsumenten. Das sind Trilliarden kleiner "demokratischer" Abstimmungen des Volkes darüber, was wie wo von wem produziert wird,
Daher kämpfen Lobbyisten mit aller Macht darum, dass uns Konsumenten so wenig Faktenwissen bereitgestellt wird wie möglich und ggf. die Fakten hinter Fakenews versteckt werden. Fett macht Fett - ist doch klar!?? Wir haben nur mehr als 50 Jahre gebraucht, bis ein relevanter Teil der Bevölkerung weiß: es ist vor allem der Zucker, den die Leber bei Überangebot in Körperfett wandelt. Wie lange hat es gedauert, bis der Zuckergehalt auf den Nahrungsmitteln stand? Wie lange werden wir brauchen, bis wir auf jedem Produkt ein
Klimalabel für den klimatischen Fußabdruck der Lebenszykluskostenrechnung eines Produktes lesen können? - Mit den Gesamtkosten des Betriebs von Produktion, Nutzung und Entsorgung umgerechnet in Kilo CO2? Erst mit solch klaren Informationen können die Bürger verantwortliche Kaufentscheidungen fällen.

Wenn eine Milliarde Menschen in Millionen kleiner Gemeinschaften mehr Lebensmittel in Selbsterntegärten oder eigenen Gärten anbauen, miteinander kochen, teilweise in Wohngemeinschaften leben, ihre Geräte teilen, dann ist das eine Wirtschaftsmacht. In der sozialen Marktwirtschaft lässt sich der Konkurrenzkampf durch humanistische Kooperation ersetzen ohne Gefahr für das Funktionieren der Gesamtwirtschaft. Die Macht des dezentralen Kapitalismus verringert sich, sobald ihm der Umsatz der Konsumenten entzogen wird.
Zugleich werden die ethischen Werte im Handeln sichtbar, wie die hunderten Millionen Bäume, die Tony Rinaudo mit Hilfe der
Farmer Managed Natural Regeneration in der Sahelzone aufwachsen ließ auf Sattelitenbildern entdeckt wurden.

Auch wenn die Wege auf gemeinsame Werte und Ziele hin unterschiedlich sind, summiert doch ihre Wirkung auf Klimakrise und Frieden und die gemeinsamen Werte werden medial sichtbar und vor allem, wenn zum Mitmachen eingeladen wird, auch meinungsführend.

Einerseits sind die Erfahrungen von vielen dezentralen selbstorganisierter Gruppen vielfältiger, sie entwickeln mehr unterschiedlich erfolgreiche Maßnahmen, die von anderen Gruppen ggf. schnell unterstützt oder übernommen werden können.
Anderseits müssen diese Gruppen dazu vernetzt sein. Die
Soziokratie liefert dazu einen Ansatz: aus jeder vernetzten Initiative sollte ein Mitglied gleichzeitig bei einer der anderen vernetzten Initiativen mitarbeiten und falls die beiden Gruppen unterschiedliche Standpunkte haben, beide vertreten können. Dies dient nicht nur Verständnis und Abstimmung zwischen den Gruppen. Jede Gruppe hat den Effekt der sich selbst bestätigenden Informationsblase durch gegenseitige Zustimmung, Einigkeit und of folgender Ablehnung abweichender Meinung. Mitarbeiter aus anderen Gruppen bieten die Standpunkte anderer Informationsblasen und damit gleichzeitig eine wichtige Bereicherung der kooperativen Intelligenz durch das Aufzeigen von Widerspruch und Nichtwissen.
Das "Durchstechen" von Informationsblasen ließe sich noch verstärken, dass viele Initiativen gemeinsam eine Datenbank gesellschaftspolitisch relevanter Fakten erstellen, in der gerne auch divergierende Standpunkte, Erklärungsmodelle und Argumente Platz haben und das gegenseitige Verständnis erleichtern. Basis könnte eine Erweiterung der
Wikipedia sein, der wie dort die Wikidata Datenbank angeschlossen ist.

↑↑  Die Macht der Erfahrung

Das Erleben von Gemeinschaft, in der die Freiheit genutzt wird, Verbindlichkeit einzugehen und Verantwortung zu übernehmen und möglich zu machen, was allein unmöglich, das lässt sich allerdings unmöglich in Worte fassen, sondern nur im Mit-Tun wird die Erfahrung authentisch weitergeben, daher ist so wichtig, das dazu eingeladen wird. Je mehr Erfahrung von Freude und Miteinander in humanitärer Kooperation möglich ist, desto mehr Befriedigung und Ausdauern darin. Daher ist Nicht-Tun so tödlich: ich kann nicht, weil ich's nie getan habe, ich hab's nie getan, weil ich's nicht kann. Ich kenne keine Prophezeiung, die sich schneller selbst erfüllt als "Ich kann nicht…".

Wenn ich mich traue, einen Plan zu wagen, von dem ich nicht sicher sagen kann, ob er gelingt, aber erfahre, dass ich den Plan immer wieder dem Ungeplanten anpassen kann, dann erfahre ich dabei, wie Wissen und Erfahrung von denen, die mir nahe sind, mir die Freiheit von mehr Möglichkeiten gibt und mein Weltbild, mein Bewusstsein wandelt.
Das hier sind nur schöne Worte, denn das Geschehen lässt sich nur ganzheitlich erfassen - erleben, nur durch Mitmachen wo auch immer. Wer aber mitgemacht hat, wird die Erfahrung humanistischer Kooperation nie wieder verlieren, sie wird existentieller Bestandteil des eigenen Erfahrungsschatzes, den wir immer wieder nutzen können. Wer einmal die Freiheit gewagt hat, wird die Freiheit zur Möglichkeit es wieder zu tun ein Leben lang nicht verlieren. Und "das Ende des Lernens, nimmt niemals einen Anfang" wie ein lieber Freund mir sagte.

Humanistische Kooperation ist für mich persönlich mit Jesu Botschaft verbunden, aber sie vollzieht sich davon ganz unabhängig in allen Ländern und Religionen seit Beginn der Menschheit bis heute in Familien und Initiativen und viel zu geringgeschätzt als Care-Arbeit. Sie verbindet uns alle, die Liebe und die goldene Regel leben. Die lebensförderliche Macht dieser Gemeinschaft möchte ich verbreiten und sichtbarer werden lassen mit diesem Text, dieser Internetseite, und das Bewusstsein schärfen, wie lebenswichtig humanistische Kooperation ist und wie existentiell die Erfahrung, wie universell die Freiheit dazu, wie wirksam es in der Menschheit und für das Überleben der 8 Milliarden Menschen auf der Erde, für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ist.

Ich glaube, dass das die Mehrung humanistischer Kooperation und Selbstorganisation eine Wirkungsmacht ist, die Kriege und Klimakrisen wesentlich beeinflussen können und einen lebendigen Frieden, eine Humanität schafft, in dem alle Menschen mit ihren Bedürfnissen gedeihen können und die Umwelt, Biosphäre, Schöpfung bewahrt und fördert.

↑↑  Nächste Schritte

-       Einarbeitung von Rückmeldung zu diesem Text in diesen Text

-       Aufbau eines Buches von Erfahrungsberichten in Wikibooks

-       Unterstützung von Kooperationen zwischen Initiativen

Einige tiefergehende Überlegungen zur Entstehung von kooperativer Intelligenz und deren Abwehr im Fanatismus:

↑↑  Was ändert sich, wenn Ziel und Zweck nicht mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung - sondern die Mitmenschen und die Lebendigkeit aller Geschöpfe sind?

Aus meiner Sicht liegt eine Alternative darin, sich nicht auf bestimmten Nutzen, bestimmte Ziele festzulegen und damit zu beschränken, sondern, dem Humanismus entsprechend, die Menschen und die Förderung ihrer Entwicklung als höchsten ethischen Wert zu setzen, der durch verschiedene Ziele und Zwecke unterstützt werden kann.
Das ist kein Gegensatz zu den Zielen der Graswurzelbewegungen, die ja zuallermeist Gutes für Menschen und Natur beabsichtigen. Die Unterstützung von Menschen als oberstes Ziel zu setzen, verändert den Vorgang des Engagements. Es sind weniger die vereinbarten Ziele, die im Vordergrund stehen, sondern die Menschen, die mir nahe sind, nicht mehr die Manipulation der Machthaber durch Protest, sondern eigene kreative auch provokative Produktion für und mit anderen. Aber es gibt keine zentrale Bewertung, sondern die verschiedenen Ausrichtungen der Initiativen der Bürger ergänzen einander, sind in einem evolutionären Wettbewerb, wer mehr zur Zukunft von Menschheit und Planet beiträgt.

Wenn wir den Fokus von einem Protest gegen das, was vermieden werden soll, auf das lenken, was wir unseren Mitmenschen Gutes und Schönes tun können, dann stärken wir sie und uns selbst im Kampf für gemeinsame Werte von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Wir leben Geschwisterlichkeit unter Gleichen mit der Freiheit andere in der Entwicklung ihrer individuellen Fähigkeiten und Weltsichten zu unterstützen.

↑↑  Wie entsteht kooperative Intelligenz?

In einer humanistischen Kooperation bin ich nicht mehr vorwiegend mit einer rationalen Zielerreichung involviert, sondern mit meiner Emotionalität und Intuition im Austausch mit den Menschen um mich und in wachsenden Beziehungen. Die offene Kommunikation bringt mir nicht nur Freunde, sondern auch die Aufdeckung meines Nichtwissens am Wissen derer, denen ich gut vertrauen kann, weil wir praktisch miteinander Problem lösen.

Kooperation ist das beste Mittel, das eigene Nichtwissen am Wissen der anderen aufzudecken und zugleich von diesen zu lernen. Dazu benötigt die Kooperation allerdings den Respekt vor den individuell unterschiedlichen Fähigkeiten der Beteiligten, sie muss Begegnung auf Augenhöhe sein. Ich brauche das Vertrauen, mich mit meinem offenen Widerspruch oder einem möglichen Lernprozess bzw. meiner Unwissenheit nicht zu blamieren. Mir hilft die Anerkennung, das Zutrauen der Beteiligten, das ich lernen kann - in meinem Tempo. Nur ein Dummkopf geht davon aus, dass er immer mehr weiß als andere. Nichtwissen ist oft wertvoller als Wissen, denn es zu erforschen ist der Keim allen neuen Wissens.

Exkurs über unsere Erkenntnisbedingungen: Unser bisheriges Wissen erlaubt das uns bekannte, für das wir schon Begriffe haben, in der Wahrnehmung schnell zu identifizieren und eine Voraussicht für die Zukunft zu entwickeln. Wir übertragen bekannte "Wahrheiten" und ihre Ketten von Ursachen und Wirkungen auf die aktuelle Situation, erstellen dafür deduktiv logische Ableitungen und verlängern die Kausalitätsketten in die Zukunft, um abzuschätzen, was geschehen könnte und vorausschauend zu Handeln.
Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass es anders kommt als geplant und erwartet. Die Wirklichkeit widerspricht meiner Erwartung. Das kann ich ignorieren, solange die Abweichungen klein sind, und dabei bestätige ich mein bisheriges Weltbild als zureichend. Aber es bildet sich eine Informations-Filterblase, in der die mir bekannten Annahmen bestätigt werden und dabei das Unbekannte verdeckt wird. Die kleine Abweichung vom Erwarteten zu ignorieren wird fatal, wenn das Ungeplante durch Wachstumsprozesse verursacht wird. Der kleine Riss, die kleine Flamme, das kleine Rinnsal am Fuße des Dammes … können furchtbare Folgen haben.
Also muss ich mein Nicht-Wissen erwarten, dass Unerwartete suchen, vor allem Indikatoren für Wachstumsprozesse: Wenn der Mähdrescher ungewöhnlich heiß riecht, dann ist die Ursache oft ein Lager, das heiß läuft und umso mehr Hitze desto weicher das Metall, desto mehr Reibung desto mehr Hitze …. Brandgefährlich in einem trockenen Getreidefeld.
Erst ein Widerspruch zu meinen bisherigen Annahmen verhilft mir aus meiner Filterblase des Erwarteten auszubrechen… sonst verbleibe ich in der Illusion, dass sich mein bisheriges theoretisches Wissen ja doch immer bestätigt hat - und überschätze es, wie der
Dunning-Kruger-Effekt beschreibt. Die Überschätzung des eigenen theoretischen Halbwissens ohne praktische Erfahrung geht so weit, dass viele Probanden meinten etwas über Wissensbereiche zu wissen, die nur der Phantasie der Forscher entsprangen und nicht existierten. Fatal ist, dass diese Selbstüberschätzung des eigenen unerprobten Wissens mit einer Abwertung des praktisch erprobten Wissens von Fachleuten einhergeht. Die werden daher im öffentlichen Diskurs oft unterschätzt.

Das einzige Gegenmittel sind nach Dunning und Kruger eigene praktische Versuche und Teilnahme an praktischer Kooperation. Es gibt allerdings nicht immer die Gelegenheit, feste Meinungen und Maßstäbe, die andere Auffassungen nicht gelten lassen, gleich am Widerspruch der praktischen Ergebnisse zu prüfen. Dann bleiben wir selbst unseren Mitmenschen zum ehrlichen Widerspruch verpflichtet, um ihnen den Respekt zu zollen, dass wir ihnen den Umgang mit Widerspruch und das Lernen durchaus zutrauen. Das trägt meist nicht zur spontanen Harmonie bei, sondern ist geistig emotionale Arbeit für alle Beteiligten.
Widerspruch erscheint leicht, aber wenn er Keime des Lernens säen will, dann sollte zugleich der individuelle Standpunkt des Gegenübers respektiert werden UND auch, dass die eigene Sichtweise nur eine individuelle ist - auch wenn die Erfahrung eines ganzen Lebens dahintersteckt. Das heißt ich nehme wahr, empfinde und es ist in den Händen des Anderen damit zu arbeiten oder es zu verwerfen. Nur für eines sollte ich sorgen, dass die Unterschiedlichkeit und der Widerspruch nicht von unserem Harmoniebedürfnis verdeckt und schwer zu finden sind.

Erst wenn ich mir bewusst bin, dass ich von nichts wahre (also endgültige) Erkenntnis habe, wie Sokrates lehrte, wenn ich also weiß, dass ich viel mehr nicht weiß als ich weiß, suche ich nach Widersprüchen zu meinen bisherigen Wahrheiten, um Nichtwissen zu finden. Die Unsicherheit etwas vielleicht existentiell wichtiges nicht zu wissen, keine Voraussicht zu haben, muss ich erst einmal aushalten, um nicht vorschnelle Antworten aus dem Bekannten abzuleiten. So fällt es oft schwer einzugestehen, dass wichtige Informationen fehlen oder das die logischen Ableitungen aus bisherigem Wissen über bekannte Ursachenketten und Wechselwirkungen mir gerade nicht erklären können, warum ein System anders als geplant nicht funktioniert.

Erst eine offene, unbeantwortete Frage provoziert unsere ganze Intelligenz um fehlende Information oder ein wiederkehrendes Muster für ein neues Erklärungsmodell zu finden. Das kann ich nur gut aushalten, wenn ich Zutrauen und Übung darin habe, allein oder gemeinschaftlich in der Untersuchung von Nichtwissen neues Wissen zu erschließen. Induktives Schließen sucht in der Abfolge von Erscheinungen wiederkehrende Muster, klassifiziert diese in Begriffen, stellt Modelle von Kausalitäten und Wechselwirkungen auf, und sucht deren Indikatoren in dem Geschehen wiederzufinden. Es ist nur sicher, dass eine Wirkung nicht vor der Ursache liegt, aber ob Ursache A die Wirkung B verursacht oder ob A nur eine frühere und B eine spätere Auswirkung einer gemeinsamen Ursache X ist, ist ebenso unsicher wie möglicherweise fehlende Informationen über Y und Z in der Ursachenkette, die sich vielleicht gerade mal ändern oder nicht. Die Erklärungsmodelle werden oft von Wahrnehmungen und Messungen schneller falsifiziert als sie aufgestellt wurden. Um eine Störung zu beheben, ist keine vollständige absolute Wahrheit notwendig, sondern nur ein Erklärungsmodell, mit dem ein System so weit beeinflusst werden kann, dass es wieder funktioniert.

Mit Kooperation auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt für unterschiedliche Denkmodelle, für Stärken und Schwächen der Mitstreiter, können fehlende Informationen, Nichtwissen, Irrtümer, Bedienungsfehler in der Arbeitsgruppe offengelegt werden. Gemeinschaftlich können bekannte Kausalitäten weit schneller und kreativer zu immer neuen Erklärungsmodellen zusammengesetzt werden, bis treffende Prognosen ein Modell bestätigen und wieder eine geplante Beeinflussung des Systems möglich ist.
Das ist für mich zusätzliche Intelligenz, die aus praktischer Kooperation entsteht.
In meinem ganzen Berufsleben mit wohl tausenden von Störungen ist mir kein Fall untergekommen ist, wo wir die Systeme nicht wieder auf diese Weise zum Funktionieren gebracht hätten.

Im Lösen praktischer Probleme widerspricht die Wirklichkeit bisherigen Plänen und Erwartungen und provoziert daher auch die Menschen in der Kooperation einander zu widersprechen, Nichtwissen aufzuzeigen und voneinander zu lernen. Indem die Widersprüche aus der Praxis und aus dem offenen Meinungsaustausch unsere individuellen Informationsfilterblasen durchstechen, erfahren wir nicht nur jeweils Nichtwissen, sondern können das mit dem Vorwissen der anderen gemeinsam schneller erforschen, als ein jeder allein.
Damit wird der Umgang mit dem eigenen Nichtwissen erlernt und dem Dunning-Kruger-Effekt der Überschätzung des eigenen bisherigen Wissens entgegengearbeitet. Umgekehrt können die ungeplanten Erfahrungen als Lernmaterial weitergeben und zu Prävention und zur offenen Weiterentwicklung von anderen Projekten genutzt werden.

Die Induktion ist weit weniger zuverlässig als die deduktive Ableitung von erprobten Erklärungsmodellen mit bekanntem Geltungsbereich, aber sie erweitert unser Weltbild und unsere Handlungsoptionen und Lebensmöglichkeiten.

Menschenfreundlichkeit, Toleranz und Wahrhaftigkeit in der humanistischen Kooperation ermöglichen eigentümliches Wissen, individuellen Standpunkt und Erfahrungen aus den Folgen praktischer Arbeit offenzulegen bis hin zum offenen Widerspruch. Das ist für die Anderen unerwartetes, ungeplantes Nichtwissen, das die natürliche Informationsfilterblase durchstößt, die jeder Mensch, jede Gemeinschaft durch die Bestätigung bisheriger Wahrheiten bildet, auch durch die "Einigkeit" eines Gruppenkonsens. Der individuelle Standpunkt erzwingt Lernarbeit der Gemeinschaft. Aber wenn die Lernarbeit nicht abgewehrt, sondern eingeübt wird, entsteht eine zusätzliche kooperative Intelligenz. Der Lernprozess ist besonders schnell, wenn alle ihr bestes Wissen geben, einander aktiv zuhören und offen dafür sind, was in dem gemeinschaftlichen Lernprozess daraus entsteht.

Die ganze Vernunft eines Menschen entfaltet sich nach meiner Erfahrung nur in der Zusammenarbeit von der unterschiedlichen Erkenntnissystem der Ratio, der Emotion und der Intuition bei der Lösung praktischer Probleme und das umso mehr, wenn die Ratio, Emotion und Intuition verschiedener Menschen in einer überschaubaren Gruppe die kooperative Intelligenz befeuern.

Als Leben, das leben will inmitten von Leben das leben will, als Teil der Menschheit und der Biosphäre weiß ich, dass Kommunikation, Austausch und Symbiose weit mehr Überlebenswahrscheinlichkeit bringen als Konkurrenzkampf. Sobald ich zeige, dass mich das (Über-)leben der Nächsten interessiert, entsteht ein Vertrauen, das offene Kommunikation und gegenseitige praktischen Unterstützung befördert. Ich sehe mich in meiner sozialen und biologischen Umwelt mit einer für mich unendlichen Intelligenz im Austausch, die mein Leben fördert, solange ich damit kooperiere. Kooperation steigert nicht nur meine Kompetenz, sondern auch meine Demut und Anerkennung der Fähigkeiten und Kompetenzen anderer durch die Umkehrung des Dunning-Kruger-Effekt's.

Für die Stärkung des Vertrauens ist Beziehungspflege wichtig und gemeinsame schöne Erfahrungen zu schaffen. So schön Ad-Hoc Mitarbeit ist, für das Vertrauen in das Gelingen von Kooperation und Lernen ist eine gewisse Kontinuität in Gemeinschaften hilfreich und zugleich deren Ausweitung, indem die eingeladen werden, die noch nicht mitmachen.

Indem eigene praktische Erfahrung in sozialpolitischem Engagement zugleich die Fähigkeit zur Beurteilung ebensolcher Arbeit anderer steigert, sind weit mehr Bürger:innen in der Lage in Bürgerräten und Bürgerinitiativen die Arbeit von Parlamenten, Regierungen und Behörden und die Auswirkungen von deren Projekte zu beurteilen und durch Qualitätskontrolle deren Effizienz zu steigern.

3 Mill Jahre hat die Evolution unserer menschlichen Vernunft in der Kooperation in einem überschaubaren Geflecht sozialer Beziehungen stattgefunden und in der Anwendung auf konkrete praktische Probleme, um die Existenz und Leben zu sichern. Dazu gehören Ratio, Emotion, Intuition ALLER Beteiligten und praktisches kooperatives Problemlösen so sicher wie Atmen und Trinken. Aus der Wechselwirkung der Kooperation entsteht eine zusätzliche Intelligenz.

↑↑  Agile Kooperation kann Probleme angehen, für die kein vollständiger Plan erstellt werden kann

Angesichts der Komplexität von großen Softwarelösungen wurde die besten Vorgehensweisen zur Lösung komplexer Probleme in der agilen Softwareentwicklung zusammengefasst. Mir scheint, um in den Teams ein Maximum kooperativer Intelligenz zu entfalten. Die 4 Leitsätze sind:
- Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
- Funktionierende Software {Lösung von Problemen} ist wichtiger als umfassende Dokumentationen
- Zusammenarbeit mit dem Kunden {mit allen Betroffenen} ist wichtiger als Vertragsverhandlungen
- Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans
Eine Auswahl weiterer Prinzipien:
- Einfachheit -- die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren -- ist essenziell.
- Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.
- In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.
- Aus dem Design Thinking: wurde der immer wiederkehrende, iterative Kreislauf übernommen: Erst Beobachten und Verstehen durch Fragen zusammenfassen in die Definition von Standpunkten. Dann brainstormen, um Ideen für Lösungen zu finden. Dann entsprechende Prototypen erstellen und testen, um zu lernen, entsprechend dem Demingkreis: Planen, Tun, Prüfen, Verbessern…

Eine agile, offene Entwicklung von Lösungen liegt darin, keinen vollständigen Plan umzusetzen, dessen Einhaltung den Erfolg bestimmt, sondern die Werte werden von Plan und Zielen getrennt, um immer wieder offen Ungeplantes zu bewerten und in den Plan zu integrieren, auch durch Anpassung der Ziele. Dazu ist es notwendig alle Gruppen von Beteiligten für Rückmeldungen einzubeziehen. In kleinen Schritten werden dann Prototypen und Teilpläne realisiert, um aus den praktischen Erfahrungen unerwartete Probleme und zugleich bessere Möglichkeiten aufzunehmen und die Pläne und Ziele entsprechend den Werten immer wieder anzupassen.
Mit dieser Methode schaffte der Mensch den Mond zu betreten und das größte Projekt freier Software, Linux, wurde erstellt und bringt die meisten Server der Welt ans Laufen. Agile Kooperation, ihre Erfolge und das Vergnügen daran gemeinsam neue Wege zu entdecken ist für mich eine intrinsische Motivation, die weit über rationale Nützlichkeitserwägungen und erreichte Ziele hinausgeht.

↑↑ Ist der größte Teil menschlicher Dummheit in einer teilweise undurchschaubar erscheinenden Welt - etwa selbstgemacht?

Die meisten Herausforderungen, die uns Menschen überfordern, waren nicht unvorhersehbar, sondern wurden angekündigt oder sind von der Menschheit sogar selbst gemacht: immer wieder Krieg auch aufgrund einer nicht wirksamen ausgestatteten UNO, einem Sicherheitsrat, in dem oft ein Veto den Schutz der Opfer blockiert wie in Syrien. Das Kommen der Klimakrise ist seit 100 Jahren bekannt und seit vor 40 Jahren "öffentlich", seit die Studie Global 2000 1980 englisch und deutsch veröffentlicht wurde. Eine Pandemie wie die von Corona wurde seit Jahrzehnten erwartet aber nur wenige Staaten wie Korea und Taiwan hatten vorgesorgt … der Kampf gegen den Welthunger (Index) hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir etwas verbessern können, wenn kein Corona und kein Krieg wie 2022 dazwischen kommt … Mir scheint, vor allem Menschen bringen Menschen in Not und können die Not beseitigen.
Demgegenüber haben natürliche, schlecht vorhersehbare Ereignisse wie Vulkanausbruch, Erdbeben und Tsunami eher geringe Auswirkungen und Asteroideneinschläge mit größeren Auswirkungen liegen lange zurück….

Ein großer Teil des schlecht Vorhersehbaren entsteht durch Ignorieren des eigenen Nichtwissens. Unwissenheit erzeugt ein Gefühl von Unsicherheit, da sie mit Kontrollverlust einhergeht. Unwissenheit durch Lernen und Unsicherheit durch praktische Erfahrung zu verringern ist einerseits viel Aufwand und andererseits ein offener, nur teilweise kontrollierbarer Vorgang. Ich werde auf jeden Fall lernen, wenn ich mich dafür entscheide und mir Zeit zum Lernen einräume, aber ich werde nicht genau wissen was und wie viel.
Lernen ist quasi angeboren, die erste und wichtigste Übung, mit der wir Laufen und Sprechen lernten - aber indem das unkontrollierte, eigeninitiative, offene Lernen unter Kontrolle von Eltern und Schule gebracht wurden, werden oft große Teile zerstört. Statt die Selbstwirksamkeitserwartungen wachsen zu lassen, erfahren gerade Schüler:innen eine an pauschalen Maßstäben gemessene Abwertung, wenn sie nicht der durchschnittlichen Entwicklung entsprechen - und ggf. Förderung durch Anerkennung individueller Anstrengungen besonders nötig hätten. Ohne das Selbstvertrauen mit dem Misslingen von Plänen umgehen zu können, ohne intrinsische Motivation von Neugier und Entdeckerfreude, ist die Auseinandersetzung mit Nichtwissen vorwiegend mit unangenehmen Erwartungen verbunden und wird gern durch Wegschauen vermieden.

Der pauschale Vergleich der Reproduktionsfähigkeiten von vorwiegend theoretischem Wissen in der Schule ist eine Diskriminierung und zerstört das Vertrauen, mit jedem Nichtwissen auch zugleich mögliches Wissen gezeigt zu bekommen und eine pädagogische Unterstützung in der Lerngemeinschaft der sozialen Umgebung. Aus der Erfahrung meiner Kinder können nur die engagierten Lehrer die strukturelle Gewalt der Institution Schule mehr oder weniger kompensieren. Es liegt an den Lehrenden, ob sie nur Unterstützer bei der Reproduktion von totem Buchwissen sind oder ob das Wissen hinterfragt und angewendet wird.
Es bleibt die Gewöhnung der Kinder an abstrakte Leistungsmaßstäbe, da sinnhafte Projekte für die Gemeinschaft nur einen kleinen Teil des Unterrichts ausmachen.

Viele Manager behaupten: "If you can't measure it, you can't manage it". Nur was wir messen können, können wir managen, steuern und verbessern. Das erscheint plausibel, ist aber eine Reduktion der Welt auf das rational bekannte und erkennbare. Es funktioniert nicht mit dem Nichtwissen, also Wahrnehmungen, für die erst noch Begriffe gefunden werden müssen. Wahrnehmbar ist nur das, für das schon Begriffe vorhanden sind, die uns Wahrnehmungen aus den Sinneseindrücken vermitteln. Nur das, wofür wir Begriffe haben, was wir kennen, können wir erkennen, vergleichen, um es zu erwarten und planend gestalten und anhand von Maßstäben und Performance-Indikatoren zu messen. So bestätigen sich die Begriffe, die wir haben in ihrer Anwendung, unsere Erwartungen bewahrheiten sich zum Teil selbst und verdecken zugleich das Unerwartete. Vorurteile zu haben ist Teil unserer Natur, unseres Erkenntnissystems, indem es den Erkenntnisaufwand verringert - aber mit fatalen Folgen.
Die Wirklichkeit, der Bereich, in denen sich Ursache und Wirkungen fortsetzen, ist immer größer und mit ihren Wechselwirkungen komplexer als die Welt, für die wir Begriffe haben. Sie wird nur indirekt an dem sichtbar, was als unerwartet, ungeplant erkennbar wird oder nicht mit Begriffen identifiziert werden kann.
Wir können nun entweder versuchen das Ungeplante zu ignorieren und zu reduzieren oder zu entdecken und zu nutzen. Entdecken heißt untersuchen, ausprobieren und immer wieder das nicht durch bisherige Begriffe identifizierbare zu suchen, um es zu untersuchen. Kooperative Untersuchungen beleuchten das Unbekannte von  den unterschiedlichen Blickwinkeln aus individuellen Lerngeschichten und Erfahrungen. Daher waren oft Kooperationspartner auf neuen technischen Gebieten so erfolgreich:
Otto und Gustav Lilienthal, Hewlett and Packard, James Watt und William Murdoch…Für die Nutzung des Ungeplanten sind heute Start-Ups berühmt. Es setzt voraus, dass die Selbstwirksamkeitserwartung besteht, zu lernen und aus Erfahrungen und "Fehlern" mit gegenseitiger Unterstützung zu lernen.

Wie das Unbekannte reduziert wird, zeigt Wegschauen und Ignoranz. Wenn das nicht hilft, kann eigenständige, schlecht vorhersehbare Lebendigkeit auch durch Abtöten reduziert werden, durch Verbote oder Menschenverachtung, Kolonialismus, Sklaverei, Diktatur, Kriege…. Ausrottung von Menschen, Wildtieren, Urwald, … Umweltzerstörung…. Was nicht kontrolliert nutzbar gemacht werden kann, wird eliminiert.

Die Beschränkung auf das Kontrollierbare birgt zugleich das Risiko, die Mitmenschen als unkontrollierbar und daher als Gefahr anzusehen. Umgekehrt bedeutet dies, erst Beziehungen einzugehen, wenn Partner kontrollierbar sind. In der Ehe und Partnerschaft haben vor allem Frauen darunter zu leiden. Aber überall ist die Kontrolle von Mitarbeiter:innen, Kund:innen und Wähler:innen … Mitmenschen allgemein zum eigenen Nutzen angestrebt. Kontrolle anhand fester Pläne kostet nicht nur Aufwand, sie kann, wo Kontrolle unrealistisch ist, so verunsichern, dass der Plan ganz aufgegeben wird, statt agil zu arbeiten. Plankontrolle blockiert die "Nutzung" externer Intelligenz, die sich nicht fremdbestimmen lässt und macht alle Beteiligten unglücklich: die Kontrollierten, die um ihre Freiheit kämpfen müssen, die Kontrolleure, weil sie verhasst sind. Die kooperative Intelligenz ist auf das Minimum reduziert, das sich kontrollieren lässt - das ist für mich nicht nur soziale Selbstverdummung, sondern auch Anleitung zum Unglücklichsein. Am Ende ist kann durch die undurchführbaren Pläne nur die eigene Ohnmacht sichergestellt werden. Und ist KEINE Regression in die Hilflosigkeit der Kindheit, denn da wurde mutig gelernt!

Das Leben auf das kontrollierbare Bekannte zu reduzieren, scheint mir eine Hauptursache dafür das wir bei der Lösung von Problemen wie Krieg, Ungerechtigkeit, Hunger, Klimakrise nur kleine oder keine Fortschritte machen. Es ist so widersinnig, denn das eigene Leben selbst ist nur zum Teil kontrollierbar und wir geben jede Kontrolle mit dem unvermeidbaren persönlichen Tod auf. Aber unsere Lebendigkeit setzt sich in ihren Wirkungsketten, in dem Leben der Menschheit, dem Leben der Biosphäre fort, ohne dass ein Ende absehbar wäre. Also fokussiere ich mich auf das, was nach allem Wissen Bestand hat: die Teilhabe an der Lebendigkeit meiner Umwelt und deren Unterstützung.

In humanistische Kooperation decken wir unser Nichtwissen auf und entwickeln Zutrauen darin, so dass wir ungelöste Fragen aushalten können, bis eine Antwort aus unseren Dialogen erwächst und aus den praktischen Erfahrungen auf der agilen Suche nach neuen Wegen. Mit dem Zutrauen in diese Prozesse wird eine offene Frage nicht einfach als unbeantwortbar ad Acta gelegt, sondern wir halten mit dem Wissen um unser Nichtwissen weiter die Augen nach einer möglichen Antwort offen.

↑↑  Was mutete, traute Jesus seinen Jüngern, einfachen Menschen zu, zu heilen und zu helfen?

Jesus unterrichtete einfache Fischer davon, dass nicht nur er selbst, sondern alle Menschen Kinder Gottes sind, des alleinigen Schöpfergottes der Erde, und daher Gott direkt als Vater unser (und Mutter, da kein Vater ohne Mutter) ansprechen können, Gott bitten können, und im Gebet angeleitet werden können zu heilen und Gutes zu tun. Nachdem das Christentum Staatskirche der römischen Diktatur geworden war, drehte sie die Lehre ins Gegenteil um: kein Mensch ist ohne christliche Lehre der Kirche in der Lage Gott nahe zu kommen, Maria, Mutter Gottes einmal ausgenommen. Jesus wird als" einzig" eingeborener Sohn Gottes isoliert, während (fast) alle Menschen seit Augustin mit der Erbsünde beladen auf die Welt kommen.
Der Meister Jesus sandte die Apostel aus, wie gelernt zu heilen und Gutes zu tun. Er sagte zu, was auch immer zwei der Jünger auf Erden einmütig erbitten, werden sie vom himmlischen Vater erhalten (Mt 18:19) aber dies ist nicht auf die in Jesu Nachfolge beschränkt sondern auch jemand von Außerhalb kann in Jesu Namen Dämonen austreiben und Jesus fordert ihn nicht zu hindern (Mk 9:38-39). So glaube ich, dass die Kräfte von Glauben und Zutrauen allen Menschen als Kinder der Schöpfung zur Verfügung stehen, die sich darin üben.

Glaube kann manchmal Berge versetzen (1.Kor13) - aber nur wenn es auch physisch gelingt, Ziele zu erreichen, zu denen der Weg unabsehbar war. Erst aus der praktischen Erfahrung wächst ein Selbstvertrauen und eine Glaubenspraxis des Vertrauens in die Schöpfung, in die Kooperation mit der Intelligenz unserer Umwelt in Menschen, Tieren, Pflanzen, in allem Leben. Wenn die Berge, die hohen Ziele nur in Phantasie und Autosuggestion "versetzt" werden, dann entsteht gleichzeitig ein Misstrauen in die eigenen Fähigkeiten (SelbstUNwirksamkeitserwartung) und in Gott und Schöpfung.

Glaube ist tatsächlich für mich eine der wichtigsten Ressourcen im entdeckerischen Leben. Nur wenn ich auf die mir von mir nicht kontrollierten Kräfte vertrauen kann, auf Wissen, Ideen und Unterstützung der Nächsten, auf die Kreativität der Kooperation, auf die Schöpfungskräfte allgemein vertraue, kann ich es wagen neugierig das Ungeplante zu ertasten, es zu begreifen, beschreiben, in die Planung einzubeziehen … und auch einen 6. Versuch zur Planung und Umsetzung eines komplexen Verbesserungsvorschlags zu unternehmen mit einem Gefühl seltsamer Kraft Nachts bis 2:30 an einer Lösung arbeiten und ohne Frust und Erfolg ins Bett steigen und zuversichtlich am nächsten Morgen die Lösung durch Probieren zu finden …. Oder diesen Text über Monate zu entwickeln….
So kenne ich kein Problem, dass ich nicht ein wenig zum Besseren wenden könnte, wenn ich nur die Beschränktheit meines Wissens im Blick behalte und mein Nichtwissen eingestehe und ggf. nur das Problem solidarisch ernst nehme, auf Fachleute verweise und helfe diese zu finden. Meine Unsicherheit und meine Sorgen, wenn ich neues ausprobiere, ist Teil meiner Ausstattung zum entdeckerischen Leben. Mir kommt es so vor: Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut, sondern ist übermütig. Und manchmal geht es schief und nur der Versuch kleiner Schritte mit Prüfung der Ergebnisse hält den Schaden in Grenzen, den Preis für's Lernen.

↑↑  Wenn humanistische Kooperation seit mindestens 2000 Jahren bekannt ist und jeder Mensch die Freiheit dazu hat - warum tun wir es nicht längst?

Es bedeutet einen Teil der Kontrolle über mein Leben aufzugeben, um mehr Einfluss auf das Leben zu gewinnen, indem ich lerne, den Fähigkeiten meiner Mitmenschen mehr und mehr zu vertrauen und mit meinen Fähigkeiten und deren Grenzen umzugehen. Wenn die Wünsche der anderen so wichtig sind, wie die meinen, wenn deren Wissen mir jederzeit mein Nichtwissen aufzeigen und mich lernen lassen kann, dann weiß ich nicht unbedingt, wohin ich morgen genau gelangen werde. Das wissen wir auch generell nicht, weil wir ständig durch Unerwartetes, Ungeplantes unser Nichtwissen erfahren, aber es wird uns bewusst, weil es Teil unserer Zukunftsvorstellungen wird.
Meine Pläne bleiben wichtig, aber nicht sie zu erfüllen, sondern um aus der Anpassung der Pläne neue Handlungsmöglichkeiten auf das je Bestmögliche hin zu schaffen. Wo es hinführt, weiß ich nicht genau, sondern nur welchen Werten es in welche Richtung folgt. Ich weiß nicht, ob wir die Klimakrise human bewältigen, aber ich will wenigstens auf der richtigen Seite, für das Leben gekämpft haben.

Von der Gruppe der Frauen und Männer um Jesus wird berichtet, wie schwer es viel, Kontrolle aufzugeben und ohne die Gewissheiten der Sesshaftigkeit nachzufolgen - aber auch wie dies "Wunder" ermöglichte: dass alle ihre Speisen miteinander teilen, das tausende dadurch satt werden, wird mehrfach als Wunder berichtet. Nicht mehr das Erreichen des Bekannten, des Vertrauen ist das Ziel, sondern Utopien, die über das bisher für möglich erachtete hinausgehen.

Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. (Mt 07,07). Das funktioniert, wenn ich ein klares Bild habe, was wertvoll ist, für welche Menschen, bei wem um Hilfe anklopfen: Was ist meine Bitte, worum, für wen? Eine positive Utopie der Zukunft wirkt umso stärker, je genauer die Vorstellung und je konkreter mögliche Wege dorthin und vor allem, wenn ich sie nicht allein entwickle: "Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten." (Mt.18,19)

Gerade wenn ich die Geschichten von Jesus von vor 2000 Jahren ganz prosaisch realistisch und materialistisch verstehe, erkenne ich die Machbarkeiten darin. Es ist aus meiner Sicht eine furchtbare Verdrehung, dass die Frohe Botschaft Jesu darin bestehen soll, dass die Menschheit schon seit 2000 Jahren durch den Weg Jesu an das Kreuz gerettet wurde und die Autosuggestion ausreicht, dass für wahr zu halten. Aber Frieden auf der Basis von Autosuggestion lässt sich weit leichter erfolgreich "verkaufen" als ein Frieden aus einer praktischen Nachfolge Jesu, was immer neue Pläne, Utopien und die Verarbeitung ungeplanter Ergebnisse benötigt. Das nötigt fortlaufende geistige und kooperative Anstrengung mit dem Ungeplanten, mit Unsicherheit umzugehen, egal ob die Ergebnisse überraschend gut oder schlecht sind.

Ich verstehe die gute Nachricht des Jesus von Nazareth darin, die Menschheit KANN sich retten, wenn die Menschen die Schöpfung und ihre Nächsten wie sich selbst lieben und einander so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Ich glaube, wir können das, wenn nicht Jesus der einzige eingeborene Sohn, sondern wir alle Kinder Gottes sind und darauf vertrauen: "Vater unser…".
Aber damit ließ und lässt sich weder eine Diktatur errichten noch andere Länder und Völker unterwerfen und versklaven. Es macht ein Leben nach wortgetreu wiederholten alten Rezepten aus Büchern oder Anweisungen von oben unmöglich.

Freiheit macht auch Angst, gerade weil wir wenig Übung in entdeckerischem Leben haben, denn unsere christlich-abendländische Kultur entstammt der römischen Militärdiktatur, die von Julius Caesar etabliert wurde, dafür wird es noch ein Kapitel geben. Und mit diesen sozialen Erfahrungshintergrund wandelten sich viele abendländische Revolutionen in neue Diktaturen mit neuen Ideologien aber den alten Methoden von Hierarchie und Unterdrückung.

↑↑  Können wir einen Willen Gottes erkennen - in den Mitgeschöpfen?

Christen beten im Vater (Mutter) unser … Dein Wille geschehe. Nun meinen wir unseren eigenen Willen zu kennen, aber wie können wir den Willen der Schöpfer:in des Universums und unseres Lebens erfahren?

Genesis 1 zeigt, dass die lebendige Schöpfung von dem einen Gott aus dem Chaos in Bewegung gebracht wurde, indem von einfachen Vorgängen und Wesen begonnen, immer komplexere Wesen ins Leben gerufen wurden bis zu den Menschen, Frau und Mann. Und es wird ebenso berichtet, Gott urteilte: es war gut! Umgekehrt lässt sich daher die Güte Gottes an der Güte der Schöpfung erkennen. Mir scheint auch der Salomonische Tempel wie er im Alten Testament beschrieben wird mit den freistehenden Säulen Jachin ("er hat aufgerichtet") und Boaz ("mit Macht"), mit floralen Verzierungen, gekrönt mit einer Lotusblüte und je 100 Granatäpfeln (Symbol der Fruchtbarkeit) gibt dem Glauben Ausdruck, das die göttliche Schöpferkraft diese lebendige Schöpfung nicht nur mit Macht aufgerichtet hat, sondern immer weiter wachsen lässt und über die Fruchtbarkeit der Generationen am Leben erhält.

Das beinhaltet auch eine umgekehrte Aufforderung: wenn wir Menschen die Güte Gottes aber die Güte der Schöpfung nicht erkennen können, ist vielleicht unser Erkenntnisvermögen etwas eingetrübt?
2 konkrete Beispiele:
1. wenn Gott Menschen ins Leben ruft, die Menschen gleichen Geschlechtes lieben, zeigt dann nicht die Natur im Einklang mit dem höchsten ethischen Wert den Jesu aufzeigt, der Liebe, das dies höchstwahrscheinlich Gottes Willen entspricht?
2. wenn Gott Menschen ins Leben ruft, die anderen Glaubens sind, einer anderen Religion angehören und ethische Werte wie Geschwisterlichkeit und Liebe leben, ist es dann nicht gegen den Willen Gottes, wenn versucht wird, diese zu töten, zu unterwerfen und sie mit Nötigung von ihrem bisherigen Glauben abzubringen?

Mir scheint, Albert Schweizer zeigt es auf: "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will." Das heißt wie ich die Schöpfer:in in den anderen Geschöpfen erkennen kann, so kann ich Ihren Willen zumindest teilweise in deren Willen zu Leben erkennen. Die Goldene Regel führt weiter: Wenn ich andere behandle, wie sie behandelt werden wollen, damit sie mich behandeln wie ich behandelt werden will, dann ist es notwendig uns unseren jeweiligen Willen gegenseitig kundzutun, um herauszufinden, wie wir ein Maximum des Gewollten aller Beteiligten verwirklichen können. Jede:r Beteiligte hat dabei die Möglichkeit anzuzeigen, dass sie ihren Willen zu wenig berücksichtigt findet. Alle sind aufgerufen die Bedürfnisse aller mit im Auge zu behalten und wo möglich, mit darum kümmern.

Wo auch immer Kampf und Krieg ein Ende finden, darf es nicht wie bisher vorwiegend um Abgrenzung der Herrschaftsbereiche gehen. Sondern alle Beteiligten müssen in einem demokratischen Prozess aufgerufen werden, ihre soziale und politische Organisation mit aufzubauen, ihren Willen mit einzubringen in Parlamente, Bürgerräte und andere Formen demokratischer Willensäußerung. Dabei hilft jegliche Übung in humanistischer Kooperation und in deren Selbstorganisation. Gleichzeitig benötigen wir die UNO als unparteiischen Dritten, der darauf achtet, dass Vereinbarungen eingehalten werden und die betroffenen Bürger frei zu Wort kommen und sich organisieren dürfen und können.

↑↑ Gibt es universelle Gesetze? Du sollst nicht töten?

Der kategorische Imperativ Kant's „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ ist aus meiner Sicht ein guter Prüfstein, auch wenn sie aus meiner Sicht außer Acht lässt, das unterschiedliches Verhalten einander ergänzen kann und allgemeine starre Gesetze nur einen Rahmen für Verhalten setzen können.

Du sollst nicht töten, stehlen, falsch aussagen, erscheinen mir allerdings dem Willen der allermeisten Menschen zu entsprechen, gute Handlungsmaxime und Grundlage einer "Allgemeinen Gesetzgebung" im Sinne Kant's und damit zugleich Ausdruck des Willens Gottes, wie es seit über 3000 Jahren überliefert wurde und am 4. Sept. 1993 in der Erklärung zum Weltethos vom Weltparlament der Religionen bestätigt wurde zusammen mit der Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Ehrfurcht vor dem Leben, Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung, Toleranz und Leben in Wahrhaftigkeit sowie Gleichberechtigung und Partnerschaft von Mann und Frau.
Daraus folgt, dass ich alle fragen möchte, die ohne existentielle Not andere Menschen töten, ob sie nicht erkennen können, dass sie Feinde Gottes und Feinde der Menschen sind?
Für mich ist es noch schlimmer: nicht nur dass sie Geschöpfe Gottes töten, sondern sie zwingen andere Menschen in die Not des Existenzkampfes um ihr Leben und damit in den Gewissenskonflikt andere Menschen, Soldaten töten zu müssen, um das eigene Leben und das ihrer Nächsten zu erhalten. Auch wenn die Notwehr sie zum Töten berechtigt, so töten sie doch Geschöpfe, Mitmenschen und es bleibt die Unsicherheit, die Gewissensqual, ob dies angemessen ist, ob es nicht besser ist, das eigene Leben wie Jesus zu geben, als andere zu töten.
Dazu kommt die Qual, die eigene Tötungshemmung zu überwinden und diesen angeborenen Schutz vor ethischer Perversion zu verlieren.
Viele Soldaten leiden aus dieser Entscheidungsnot für den Rest ihres Lebens an posttraumatischen Belastungssyndromen.
Ein Angriffskrieg ist aus meiner Sicht eines der schlimmsten Verbrechen, dessen Menschen fähig sind.

↑↑ Sollten, können, müssen wir Verbrecher bekämpfen? Und wieder in die Gemeinschaft der Goldenen Regel integrieren?

Aber auch Verbrecher blieben Mitmenschen, bleiben Geschöpfe, diesen Respekt dürfen wir nie verlieren trotz ihrer teilweise hassenswerten Taten, sonst geben sie die Krankheit ihrer Inhumanität an uns weiter und wir werden selbst respektlos gegenüber Menschen und Schöpfung.

Die Menschen, die nach der Goldenen Regel leben oder leben wollen müssen den Raum ihrer Geltung ausdehnen, dem Gesetz des Stärkeren Einhalt gebieten, den Bereich der Herrschaft zurückdrängen. Das bedeutet, das ALLE Beteiligten ohne Ausnahme, auch die Verbrecher in die Friedenskommunikation einbezogen werden müssen. Das ist die Strategie von Mediation und Restorative Justice und teilweise bei der Sozialen Verteidigung. Die linke Backe hinzuhalten ist keine Unterwerfung, sondern Eröffnung der Friedenkommunikation, es ist eine prüfende Frage: War es gerecht, mich auf die rechte Backe zu schlagen?

Wenn die Gewaltherrschaft aber keine Friedenskommunikation zulässt, weil sie diejenigen tötet, die es wagen ihren Mund aufzumachen, dann bleibt aus meiner Sicht nur, der Gewalt der Angreifer in Notwehr durch Gegengewalt Grenzen setzen. Ich stimme mit dem Friedenszeugnis der Quäker überein, das Frieden mehr ist als der Nicht-Gebrauch von Waffen, sondern nach der Goldenen Regel den anderen gedeihen lassen, wie Mensch selbst leben und gedeihen möchte. Ein Schweigen der Waffen unter totalitärer Herrschaft wäre noch kein Frieden. Mich beeindruckt das Leid, das die frühen Christen, Quäker und andere Pazifisten dafür auf sich genommen haben, nicht mit Waffen auf Menschen einzuwirken, sondern gewaltfrei so weit wie möglich Widerstand zu leisten. Ich respektiere, wer sich lieber - hoffentlich nur zeitweise - unterwerfen lässt, um nicht selbst zu Gegengewalt zu greifen oder gar die Gewaltmenschen zu töten. 1987 wurde das Recht zur Kriegsdienstverweigerung von der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) als allgemeines Menschenrecht anerkannt
Aber für mich stehen die Werte des einander gedeihen lassen mit Menschenliebe und der Erhalt des sozialen Raums der Goldener Regel höher. Daher respektiere ich auch, wer den Gewaltmenschen mit möglichst geringer Gewalt wie auch immer Einhalt gebietet und dabei Töten möglichst vermeidet. Denn wie gesagt, Töten tötet immer weit mehr als nur diejenigen, die ihr Leben verlieren. Ein Schutz durch Verteidigungswaffen wie z.B. zur Panzerabwehr oder Luftabwehr zum Schutz der Zivilbevölkerung erscheinen mir ethisch vertretbarer als Angriffswaffen. Und Nein, ich habe keine eindeutige Antwort…

Der Raum, in dem das Gesetz des Stärkeren herrscht, wird nicht dadurch zum "Guten" gewandelt, dass ein siegreicher Herrscher den anderen beseitigt, sondern nur durch die Wiederaufnahme der Kommunikation aller Beteiligten und demokratischer Teilhabe, die den Raum der Goldenen Regel wieder herstellt.
Dazu erscheint es mir hilfreich, dass möglichst alle Beteiligten die Waffen ablegen oder zumindest niederlegen und eine nicht im Konflikt involvierte Partei wie die UNO ein Gewaltmonopol aufrichtet, das später an staatlichen Organisationen übergeben werden kann. Die Selbstorganisation der Gemeinden und eine
Soziale Verteidigung können dies unterstützen. Wenn alles nicht hilft, wäre ein letztes Mittel, allen Beteiligten Zugang zu einfachen Waffen wie Revolver zu ermöglichen, um eine basisdemokratische Gewaltbeteiligung wie in den USA des 18. und 19. Jh. zu ermöglichen. Das klingt archaisch, aber so ist die Situation zwischen den Staaten bis heute: bis auf Costa Rica haben nahezu alle Länder mit mehr als ein paar Mill Einwohnern eine Armee. Wer von einem stärken Nachbarn überfallen wird, kann nur überleben, wenn er diesen aufhalten kann, bis sich genügend Länder bereitfinden und ggf. auch die UNO, um den Abwehrkampf zu unterstützen.
Mir ist kein Fall bekannt, wo eine Eroberung durch eine Soziale Verteidigung verhindert werden konnte, auch wenn
Gewaltfreier Widerstand z.B. in Prag 1968 oder in der Quit-India-Bewegung Ghandis seit 1942 erhebliche Wirkung zeigte. Meine Hoffnung wäre, wenn größere Teile der Bevölkerung genügend Übung in der Selbstorganisation humanistischer Kooperation haben, könnte dies die Organisation einer Sozialen Verteidigung nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen Autokratien unterstützen.

Verbrecher mit gleicher Münze ihrer Verbrechen heimzuzahlen, wenn sie unter Kontrolle gebracht werden konnten, ist nicht nur eine Behandlung nach dem Recht des Stärkeren, sondern auch zum Schaden der Gemeinschaft, die nach der Goldenen Regel lebt. Ein Todesurteil bringt zwar endgültige Sicherheit, dass Verbrecher keinen Schaden mehr anrichten können, aber es widerspricht unbedingt dem Respekt vor dem Geschöpf und dessen Lebenswillen.
Weitere Nachteile: Irrtümer der Todesstrafe können nicht korrigiert werden. Und Autokraten werden ihre Macht zur Vermeidung der Strafe ohne Rücksicht auf den Schaden für die Gesellschaft verteidigen, wenn es für sie kein Leben nach dem Machtverlust gibt oder eine langjährige Freiheitsstrafe.

Aus meiner Sicht ist Wiedergutmachung als ausgleichende Gerechtigkeit der Strafe vorzuziehen. Freiheitsstrafe nutzt niemand, ist teuer, gibt nur Schutz vor Wiederholung aber zugleich auch eine "Ganovenuniversität" in den Strafanstalten, wo Methoden erst weitergegeben und gelernt werden.
Der Schutz vor Wiederholung der Straftat lässt sich heute oft auch durch Fußfessel und überwachte Kommunikation des Straftäters verwirklichen, der dann aber durch Arbeitseinkünfte den Schaden zumindest teilweise wiedergutmachen kann.

Das bedeutet aber für Menschen die jahrelang nach dem Gesetz des Stärkeren gelebt haben, die Wirksamkeit der goldenen Regel zu lernen, ihre positive Wirkung zu erfahren. Dabei geht es nicht nur um Autokraten, sondern auch um hunderttausende, die als Kinder und Jugendliche in die Soldateska von Warlords gezwungen wurden, ohne ökonomische Zukunft von Verbrechersyndikaten angeworben werden konnten oder ideologischen Kampfgruppen wie dem Islamischen Staat angehörten. Mediation und Restorative Justice erscheinen mir oft bessere Instrumente als die Strafgerichtsbarkeit um Straftäter in die Gesellschaft zurückzuführen.
Gewaltbereite Gruppen sind aus ihren Gesellschaften wegen ihrer Verbrechen ausgegrenzt, auch Autokraten, die sich selbst mit Personenkult bejubeln lassen. Jeder Autokrat, der seine politische Macht dazu nutzt, dass er nicht mehr von der Mehrheit der Bürger abgewählt oder vom Rechtssystem wegen Gesetzesbruch abgesetzt werden kann, weiß, dass eigenständig denkende Menschen seiner Umgebung die Notwendigkeit sehen können, die Herrschaft durch Tyrannenmord beenden, um weiteren hohen Schaden an der Gesellschaft abzuwenden. Also sind Autokraten gezwungen Ja-Sager um sich zu sammeln und ihre Herrschaft verliert daher mit der Zeit an sozialer Intelligenz und Regierungskompetenz, ich nenne diesen Vorgang "Autokratendemenz". Daher umso seltsamere, kontraproduktive Entscheidungen je älter eine Autokratie.[2]

In kommunistischen Diktaturen wird die Wirkung der Autokratendemenz teilweise durch die Macht des Politbüros kompensiert: zum einen ist dort durch die verteilte Macht noch Diskussion notwendig, die teilweise grobe Fehler vermeidet. Wenn dies auch keine komplette Vergreisung des Politbüros vermeiden kann, so der gegenseitige mafiose Schutz Voraussetzung, sich zum anderen im Alter zur Ruhe setzen zu können und Jüngere nachrücken zu lassen ohne Angst vor der Verfolgung von Straftaten nach dem Verlust der Macht. Das erspart die Kämpfe um den Machterhalt alter Autokraten oder die Inthronisation ihrer Zöglinge (Mobutu Sese Seko, Robert Mugabe …)

↑↑ Fanatismus als Deaktivierung des Lernens - Wer nicht irren kann, kann nicht lernen

Wer nicht irren kann, kann nicht lernen, denn "Nichtwissen ist der Keim allen Wissens".

Was ein Mensch für Modelle der Welt denken kann, hängt wesentlich seinem Selbstbild, dem eigenen Bild oder Modell der eigenen Erkenntnisfähigkeit ab.

Absolut sicheres Wissen hindert sicher am Lernen - so sicher wie sich Menschen überhaupt sein können. Wenn wir das Wissen von einem Bereich der Welt für absolut sicher und vollständig halten, dann wird automatisch jede widersprechende und nicht ableitbare Aussage zu einer Falschaussage, die abgelehnt werden kann, ohne sie weiter zu untersuchen. Erst die Annahme der Möglichkeit von Nichtwissen ermöglicht, dieses zu suchen, zu untersuchen und dazulernen zu können. Erst die Möglichkeit von Nichtwissen und Irrtümern macht es sinnvoll, bisheriges Wissen zu hinterfragen und zu revidieren. Ergebnis: Wo ich nicht irren kann, kann ich nicht dazulernen.

Die Annahme von absolut sicherem Wissen, wo also kein Irrtum möglich ist, enthält eine doppelte Aussage über die eigene Erkenntnisfähigkeit:

1.     Es gibt die Möglichkeit von Wissen, das absolut sicher wahr ist. Das kann eine Aussage über sich selbst wie "ich denke, also bin ich" (existiere ich) sein oder eine Aussage über die Welt wie "Es gibt nur einen Gott."

2.     Es gibt einen Bereich, in dem alles wesentliche Wissen absolut sicher wahr und vollständig bekannt ist. Also gibt es daher gibt es kein relevantes Nichtwissen und alles wiedersprechende oder sogar alles abweichende Wissen ist sofort als falsch erkennbar.

3.     Aus dem bisherigen Wissen lassen sich alle künftigen Entwicklungen ableiten.

4.     Alle direkten Widersprüche zum Beispiel aus der sinnlichen Wahrnehmung sind entweder irrelevant, marginal oder nicht glaubwürdig, z.B. Berichte von anderen beobachtet sind absichtlich aus deren Erkenntnisinteresse verfälscht oder aus anderen Gründen wie fehlendes (Vorher)wissen….

Auch wenn mir dieses erkenntnistheoretische Modell absoluten Wissens als Standardmodell des Christentums von der Konstantinischen Wende im 4 Jh. bis zur Säkularisation im 19./20.Jh. ins Auge fällt, so ist es doch ein Mechanismus, der universell ist.

"Ich besitze absolute Wahrheit, die kann sich nicht irren" das ist ein Besitz, mit dem sich Menschen umso eher identifizieren, je mehr sie sich damit vor einer Verunsicherung durch eine sich schnell ändernde, komplexe und mehrdeutigen Welt (VUCA) schützen - statt gemeinschaftlich umso leichter zu lernen. Absolute Wahrheiten als Schutz vor Unsicherheit werden schnell als unverzichtbarer Teil der eigenen Persönlichkeit identifiziert. So kann die "Wahrheit" nicht mehr aus der Distanz oder aus der (Welt)Sicht anderer Menschen betrachten werden. Ein "Glauben sie nicht alles was sie Denken" und Lernen aus Widersprüchen… wird unmöglich. Lernen vollzieht sich als Spielen mit Möglichkeiten, mit Ideen.
So gehen intellektuelle Fähigkeiten wie Zweifel, "Glaube nicht alles was Du denkst", Suche nach Nichtwissen, Lernen, und kooperative Intelligenz verloren. Damit geht die geistige Fähigkeit der bewussten Modifikation und Entwicklung des eigenen Wissens verloren. Das absolute Wissen wird existentiell, ist durch die eigene Existenz gegeben und ohne dieses ist die eigene Existenz "undenkbar" und in Gefahr. Daher passt der Begriff des Fanatismus von fanaticus; "göttlich inspiriert", d.h. das Wissen erscheint als extern generiert, außerhalb der Verantwortung des Bewusstseins.

Fanatismus aus a) Mensch kann absolut wahres Wissen erkennen b) absolut wahr ist …. c) ich identifiziere mich mit a) und b), kann ganz alltäglich ablaufen, ohne überbordende Emotionalität und Exaltiertheit, denn die stellt sich erst im Dialog ein, wenn absolute Wahrheiten hinterfragt und damit angegriffen werden oder versucht wird, sie durch "Missionieren" zu verbreiten.

Der Verlust der Lernfähigkeit im Bereich des absoluten Wissens stabilisiert eben dieses Wissen - da jedes Nichtwissen als Möglichkeit des Lernens abgelehnt wird, bleibt nur etwas deduktives Ableiten, das die Prämissen nicht in Frage stellt und Wahrnehmungen, die das bisherige Wissen bestätigen. Fanatismus ist also selbstbestätigend aber die Stabilität wird noch durch mediale Fixierung der Ideen und Glaubenswahrheiten gesteigert.

Der Fanatismus konnte sich in der Geschichte mit der Entwicklung von Schrift, Propaganda, Kodex und Buchdruck, Internet und moderne Soziale Medien immer besser ausbreiten. Die einfache stabile Fixierung von Wahrheiten und Ideen durch ein Medium, vor allem durch Schrift, ermöglicht erst ihre genaue und massenhafte Reproduzierbarkeit und die ständige Überprüfung von Abweichungen (meist anderer). Umgekehrt kann der Autor eines Buches meist nicht einfach befragt werden, sein Wissen hinterfragt werden.
Aber auch in der bidirektionalen Kommunikation der Sozialen Medien findet wenig Hinterfragung der eigenen Argumente statt, mit folglich geringer Bereitschaft sich hinterfragen zu lassen. So bleibt oft nur grundsätzliche Zustimmung und Ablehnung ohne Rücksicht darauf, das Wissen immer ambivalent ist: Je mehr Wissen wir haben, desto schneller können wir verstehen, was wir wahrnehmen und die Zukunft abschätzen. Jedes Infragestellen und Überprüfen ist erheblicher Mehraufwand, der sich erst lohnt, wenn eine praktische Lösung davon abhängt. Infragestellungen sind umso weniger aufwändig, je mehr Menschen mit Argumenten und praktischer Erfahrung daran beteiligt sind. Mit dem Wissen nimmt auch das Wissen um das Nichtwissen zu[3] und die Notwendigkeit sich zu entscheiden, wo sich die weitere Nachforschung lohnt.

Praktische Kooperation ist in den Sozialen Medien zumeist schlecht möglich - vielleicht ist das ein Grund auch für die fehlende Hinterfragung …. Ein "Like" ist viel leichter gesetzt als eine Frage und ein daraus folgender Dialog. Mit genügender gegenseitiger Bestätigung erscheint eine Meinung dann so sicher wahr zu sein, dass sie nur noch verbreitet werden muss - Irrtum ausgeschlossen. Der Trend zum Fanatismus in den Sozialen Medien oder Büchern ist scheint mir auch durch die Struktur der Kommunikation mit verursacht und durch den Verlust an Dialog und praktischer Kooperation. Der Fanatismus, der uns seit den Kriegen der letzten 5000 plagt,  erklärt sich mir daher aus der Arbeitsteilung, aus Hierarchien die absolute Wahrheiten festlegen und den Nebenwirkungen des Gebrauchs von Medien als "kein Wunder". In der mündlichen Überlieferung vollzieht sich dagegen oft eine unbewusste Anpassung von Wahrheiten an sich verändernde Lebenssituationen.
Fanatismus erscheint mir wie ein langer Strohhalm zum Luftholen, der das Schwimmen im Wasser ersetzt. Es gibt dann nur noch einen Reflex: am Strohhalm der absoluten Wahrheit festklammern. Wenn wir uns eingestehen, dass alles, was wir wissen, alle Wahrheiten, auch alles Nichtwissen von Menschen gemacht ist, dann können wir Menschen dies auch ändern. Viele Menschen in der
Rational-Emotive Verhaltenstherapie von Albert Ellis gelernt, die Verantwortung für ihre Gedanken praktisch zu übernehmen, so auch ich.

↑↑ Die Informations-Filterblase als eine treibende Kraft von Autokratendemenz, Untertanendemenz und Fanatismus

Ganze Gesellschaftsbereiche können sich sozusagen "berufsbedingt" in einer Filterblase befinden, da die sachbezogene Kommunikation vorwiegend mit den begrenzten Gruppen der beruflichen Kooperation stattfindet. So können ganze Bevölkerungsgruppe von den Politikern vernachlässigt werden, wie alleinerziehende "bildungsferne" Mütter, die nicht in der Lage sind, selbst die komplexen Anträge zu stellen und sich emotional gegen die unterlegene Situation "auf dem Amt" wehren und diese zu vermeiden trachten - und aus demselben Grund teilweise nicht die Hilfe von caritativen Organisationen suchen.[4]

In den Sozialen Medien sorgt das gegenseitige Bestätigen von Texten, die Einzelne ohne Kooperation mit anderen geschrieben haben, inzwischen für das Entstehen immer neuer Filterblasen, d.h. Informationsblasen in denen Menschen meist ohne praktische Erfahrung ähnliche Meinungen gegenseitig bestätigen, ohne sie zu hinterfragen.
Auch in den Demokratien treten immer wieder Informationsblasen auf, wenn nicht alle Gruppen, die von einer Maßnahme betroffen sind, zu deren Evaluation involviert werden. Teilweise werden solche Filterblasen erst durch praktische Hindernisse durchstochen, wie beim Projekt des
Flughafen Berlin Brandenburg dessen Probebetrieb erst am 8. Mai 2012, ein Monat vor der geplanten Eröffnung am 3. Juni 2012 abgebrochen wurde da weitere Baumaßnahmen erforderlich waren, die 8 Jahre benötigten.
Obwohl sich die Klimakrise zur Katastrophe beschleunigt, war den Grünen auf ihrem
Parteitag am 16.10.2022 die Abschaltung der 3 letzten noch laufenden Atomkraftwerke Isar, Neckarwestheim und Emsland zum 15. April 2023 mit einer Gesamtnettoleistung von 35 Terrawattstunden jährlich mehr wert als die Stilllegung eines Braunkohlekraftwerks wie Neurath, das für knapp 32 Terrawattstunden jährlich mehr als 20 Mill Tonnen CO2 produziert und für das geplant ist, den Ort Lützerath abzubaggern. Zum Vergleich: Tempo 100 bringt nur ca. 5,5 Mill Tonne CO2-Verminderung jährlich[5].

Erst mit der Fähigkeit, gesellschaftliche und soziale Schranken durch Kommunikation zu überwinden, können wir die Filterblasen, in denen wir leben durchstoßen und offen lernende Dialoge und humanistische Kooperation in Gang setzen. Jede Gemeinschaft, jede Gruppe erzeugt einen Gruppendruck gegenseitiger Bestätigung und das bedingt immer eine Informationsblase innerhalb der Gruppe. Erst durch die Mitgliedschaft in verschiedenen Gruppen, kann ich zu den jeweilig anderen Gruppen in Distanz treten und eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Daher wird leider oft die gleichzeitige Mitgliedschaft in Gruppen, die zueinander in Konkurrenz stehen, "schräg" angesehen.

Der Autokratendemenz entspricht die Untertanendemenz, in der sich die Untertanen mehr und mehr daran gewöhnen, nichts ändern zu können, sich gegenseitig darin bestärken und daher über politische Betätigung gar nicht erst nachdenken. Beides wird durch die Filterblase der je eigenen Gruppe befördert.
Weiterhin wird oft die soziale kooperative Intelligenz im Machtbereich durch Gleichschaltung der Medien und Verbot und Bestrafung Andersdenkender zerstört mit der Propaganda, dass die Meinung des Autokraten, seine Entscheidungen und Befehle das einzig Wahre sind, eine zusätzliche, künstlich erzeugte Filterblase, die genau die Berufsgruppe "außer Gefecht" setzt, deren Funktion es ist, Informationen aus allen Bereichen der Gesellschaft zu generieren und allen Menschen bereitzustellen.

Wenn die Autokratendemenz die kooperative Intelligenz in Regierung und Bevölkerung durch absolut(istisch)e Wahrheiten ersetzt, dann entwickelt sich folglich ein Fanatismus, in dem immer mehr absolute Wahrheiten das Lernen verhindern. Erst durch praktische Folgen, wenn Zwangswirtschaft und Armee durch die Kombination der Filterblasen von Autokraten- und Untertanendemenz und Fanatismus versagen, werden die Folgen sichtbar.

↑↑ Ist Fanatismus durch den Verlust kooperativer Intelligenz und durch die selbsterfüllende Prophezeiung von Aggression geprägt?

Fanatismus scheint mir nicht nur in Autokratien, sondern teilweise auch in Demokratien zu gedeihen. Wenn "Verständnis" für andere aufgrund der Gefahr künftiger gegenseitiger Zustimmung abgelehnt wird, dann wird zugleich die kooperative Intelligenz und die Anwendung der goldenen Regel blockiert und ein stumpfsinniger Kampf nach dem Recht des Stärkeren beginnt - wie mir scheint, nur um, die Argumente der Anderen weiter als irrelevant ignorieren zu können.
Die Ablehnung eines Dialogs mit Argumenten wie "Mit Terroristen, Nazis, Islamisten, Kommunisten… redet man nicht…" ist zugleich ein Indikator dafür, dass ein politischer oder realer Krieg nicht aus Nützlichkeitserwägungen geführt wird, denn dann wäre ein Dialog sinnvoll, um den beiderseitigen Vorteil zu erkunden[6]. Das Hauptziel scheint mir z.B. im Irak- und Ukrainekrieg darin zu liegen, die Gegner zumindest so machtlos zu machen, dass ihnen der Dialog und die gleichen Rechte als Menschen ohne eigene Nachteile verweigert werden können. Ein realer Nutzen für den Angreifer, zumindest nicht im Verhältnis zu den Kosten, ist mir aus den Berichten über die beide Kriege und ihre Folgen nicht bekannt geworden.

Zu der geistigen Degeneration durch Verlust der kooperativen Intelligenz mit dem "Gegner" kommt die sich selbst erfüllende Prophezeiung der Fanatiker, dass sie bedroht seien. Wer den Dialog verweigert und damit die Kooperation, der erwartet, dass nur noch das Recht des Stärkeren herrscht. Jede Diskrepanz mit anderen Menschen wird damit automatisch zum Machtkampf. Selbst wenn andere Staaten allgemein internationales Recht und Verträge achten, wird jede abweichende Auffassung als Bedrohung aufgefasst, der nur noch durch Stärke begegnet werden kann, die den "Gegner" manipuliert. Diese aggressiven Akte lassen Gegenaggression erwarten und so wird jede Reaktion Anderer als Aggression interpretiert - siehe, da die Fanatiker sind bedroht.
Und ja, oft ruft eine aggressive Aktion eine reziproke Gegenreaktion, Gegengewalt hervor - da ja der Dialog verweigert wird. Mir scheint das Fanatiker in einer geistigen Destruktion aus dem Verlust der kooperativen Intelligenz durch den Verlust des Dialogs mit den vermeintlichen Gegnern und durch ihre abgeschottete Informationsblase und ihre sich selbsterfüllenden Prophezeiungen gefangen sind. Dazu kommt in Autokratien die eine Autokratendemenz der Ja-Sager und die Untertanendemenz.

Wenn aber das Wissen um Gruppen mit anderen Werten, Zielen, Weltmodellen abnimmt, dann verringert sich die Vorhersehbarkeit von deren Handeln. Wenn nicht mehr geübt wird, diesen Gruppen in Dialog zu treten, dann nimmt das Selbstvertrauen ab, Probleme mit diesen Gruppen im Dialog und im Folgenden kooperativ lösen zu können. Trauen wir uns aber eine Problemlösung nicht zu - folgt in der Regel unkontrollierter Stress, also Kampf, Flucht oder Angststarre. Der Neurologe Gerald Hüther betritt mit diesen Ergebnissen das Feld der Pädagogik und der Unternehmensberatung:

Angst und daraus folgender Stress sind extrem wichtig für das Lernen. Erst wenn etwas so wichtig ist, dass es uns erregt, ist es wert, dass verstärkt neuronale Verbindungen geknüpft werden. Die Erwartung, das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die Situation wirksam beeinflussen zu können, erzeugt einen Stress, der das Gehirn veranlasst neue neuronale Verbindungen aufzubauen, zu lernen, um den Erfolg schnell und effizient reproduzieren zu können. Hüther nennt dies kontrollierten Stress und unterscheidet ihm vom unkontrollierten Stress, der auftritt, wenn wir annehmen, ein wichtiges Problem nicht lösen zu können.

Wenn ich erwarte, ein Problem nicht lösen zu können, aber dem Problem nicht aus dem Wege gehen kann, entsteht unkontrollierter Stress. Der hilft zu Flucht, Kampf oder Angststarre aber selten zum genauen Hinschauen und Lernen. Wenn das Problem oder die Aufgabe auf Dauer nicht bewältigt werden können, dann sind die vorhandenen neuronalen Verbindungen offensichtlich wenig brauchbar und sie werden ausgedünnt oder abgebaut, um Platz für neue zu schaffen. Trauen sich Schüler eine Aufgabe nicht zu, können sie durch Zwang in unkontrollierten Stress getrieben werden, in dem statt zu lernen noch Gelerntes vergessen wird.[7]
Mir hat Hüther verständlich gemacht, das Aggression oft weniger auf "Bösartigkeit" oder Ablehnung eines Gegners beruht als vielmehr aus dem mangelnden Selbstvertrauen, den Konflikt lösen zu können.

Die Ablehnung des Dialogs führt also direkt zu aggressivem Verhalten, auf der individuellen ebenso wie auf der politischen Ebene. Es ist mir seit Jahrzehnten immer wieder schmerzhaft zu erleben, dass bei politischen ungelösten Konflikten nach unerwünschtem Verhalten der anderen Seite die Botschafter abgezogen werden. Eigentlich wäre verstärkter Dialog notwendig, aber zum einen fehlt das Zutrauen auch in die eigene Dialogfähigkeit, zum anderen wird einfach unerwünschtes Verhalten mit unerwünschtem Verhalten gespiegelt, keineswegs nach der Goldenen Regel und zumeist unproduktiv wie die unzureichende Umsetzung und Kontrolle der Abkommen von Minsk I & II.

↑↑  Wie umgehen mit Fanatikern?

Es ist eine besondere geistige Herausforderung, mit Menschen umzugehen, die ihr Denken so weit abgeschlossen haben, dass sie jede andere Meinung nur noch als Bedrohung ablehnen. Ein Dialog als Austausch aneinander anschließender Argumentationen erscheint oft unmöglich und das Kontrollbedürfnis derer, die sich in ihrem bisherigen Denken "verschlossen" haben, um die Welt und die Zukunft zu beherrschen, ist unerfüllbar.
Aber Fanatismus beginnt mit Informationsblasen und jeder Dialog in Respekt vor dem eigentümlichen Geschöpf des Mitmenschen bildet kooperative Intelligenz und regt alle Beteiligten zum Lernen an. Es ist die Chance der Friedfertigen, die Kommunikation aufzunehmen mit denen, die auf ganz unterschiedliche Weisen anders sind, ihnen Freundlichkeit und Menschenliebe zu zeigen und die Fähigkeit dem umzugehen, was bisher undenkbar erschien.

Hilfreich sind aus meiner Erfahrung und der Pädagogik dabei die 4 Quellen der Selbstwirksamkeitserwartung nach Albert Bandura zu unterstützen:
1. Persönliche Erfahrung aus Handeln, bisherige Erfolge …
2. Vorbild anderer, möglichst ähnlicher Menschen und Lebewesen
3. Zuspruch von Vertrauenspersonen
4. Physiologische Reaktionen wie Herzklopfen, Angstschweiß… die das Gefühl, dem Problem nicht gewachsen zu sein, verstärken. 

Kontrollfragen für Menschen mit geringer Selbstwirksamkeitserwartung und deren Unterstützer:innen:
1. War die Bewertung der Erfolge/Misserfolge meines Handelns angemessen?
2. Waren meine Vorbilder/Idealbilder angemessen gewählt?
3. Waren meine Vertrauenspersonen und ihr Zuspruch/Ablehnung angemessen?
4. Kann ich meine physiologische Reaktion durch Änderung meiner Erwartung und Planung beeinflussen?

Diese direkte Unterstützung ist für Menschen im eigenen Umfeld möglich, bricht die Filterblasen auf und reduziert die aggressiven Potentiale durch Beziehungspflege. Es gibt auch auf gesellschaftliche Gruppen übertragene, erprobte Methoden mit denen Friedensarbeit von verschiedenen Gruppen geleistet wird, siehe datenrecherche.de/#Friedensarbeit.

Fanatiker können fremd- und selbstgefährdend werden, mit mehr oder weniger stark beschränkter Lernfähigkeit handeln sie oft gegen "besseres Wissen" anderer. Ebenso können sie sich einfach schon durch die Existenz anderen Wissens und anderer Lebensformen in Frage gestellt sehen und existentiell bedroht fühlen, wie in der Fremdenfeindlichkeit, Homophobie… Existentielle Bedrohung führt oft zu massiver Aggression gegen das, was als Bedrohung wahrgenommen wird.

Wenn Fanatiker andere Argumente außerhalb ihrer Meinung nicht mehr aufnehmen können, ist teilweise ein Einhegen in die Goldene Regel mit üblichen Methoden, Dialog und Verhandeln der besten Befriedigung aller Bedürfnisse nicht mehr möglich. Dann ist eine Begrenzung ihrer Einflusssphäre sinnvoll. Ein tieferer Wunsch der Menschen in abgeschlossenen Denkgebäuden ist die Kontrolle, die Vorhersagbarkeit der Zukunft. Sie einem festen Rahmen zu unterwerfen, ihr selbst- und fremdschädigendes Verhalten zu begrenzen, entspricht daher zum Teil ihren Bedürfnissen, wenn auch vielleicht ihnen selbst verborgen. Stabile, unüberwindliche, unveränderliche Grenzen geben eine unerwünschte aber akzeptierbare Erwartungssicherheit, wenn ihnen ein zwar einseitig aber nach der Goldenen Regel angemessener Lebensraum erhalten wird, wie die Mitmenschen ihn sich selbst geben würden. Ebenso wie Wahnsinnige, psychisch Kranke, bleiben für mich auch Fanatiker Menschen mit ihren Menschenrechten. Sie brauchen aber eine ihrer Fremd- und Selbstgefährdung entsprechende Begrenzung ihrer Aktionsmöglichkeiten. Die Grenzen müssen natürlich gesichert werden, damit die Fanatiker möglichst keinen Schaden bei anderen anrichten können. Und jeder Dialog kann nur willkommen sein …. Generell ist das Gewaltmonopol des Staates und die Justiz ein guter Schutz. Wo dieses fehlt, kann humanistische Kooperation mit Selbstorganisation und Sozialer Verteidigung einen gewissen Schutz aufbauen.

Eine unabhängige, starke Justiz ist nicht nur in der Verfolgung von Verbrechen wirksam, sondern auch für die Verbrecher ein Angebot. Gewalt und Verbrechertum sind ein selbstverstärkender Kreislauf in der nur der Selbstschutz kleiner Gruppen durch Gewalt funktioniert was letztlich für alle diese kleinen gewaltbereiten Gruppen eine große Unsicherheit bringt. Eine starke Justiz ermöglicht dem Gewaltmonopol des Staates zu vertrauen und dafür den unsicheren Selbstschutz aufzugeben. Dazu muss allerdings die Bevölkerung selbst in Bürgerräten, Parlamenten und ähnlich demokratischen Organisationen die Qualität der Justiz und der Polizei kontrollieren können. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn nach einer Zerstörung (wie im Irak) der öffentlichen Institutionen oder Zerfall der Öffentlichen Ordnung die UNO temporär diese Institutionen bereitstellen könnte.

Ich würde mir erhoffen, dass die UNO und der UNO Sicherheitsrat so weiterentwickelt werden können, das illegale Angriffskriege wie der Überfall auf den Irak und die Ukraine durch einen Einmarsch von UNO-Truppen verhindert werden. Umstrittene Gebiete könnten unter die Hoheit der UNO gestellt werden, um der eine Bevölkerung eine Selbstorganisation und demokratische Willensbildung zu ermöglichen.

Wenn Autokratien sich zur Diktatur wandeln, indem die Medien gleichgeschaltet werden und abweichendes Denken so weit wie möglich verfolgt wird, dann scheint mir nur verdeckte Nachbarschaftshilfe zu bleiben. Trotz der monotonen Propaganda bleibt jeder Mensch für sein Denken selbst verantwortlich und ebenso für die Kommunikation mit vertrauenswürdigen Mitmenschen.
Für Außenpolitik und - handel bleibt aus meiner Sicht nur die Förderung der Bürger:innen und nicht des Staates, soweit dies möglich ist und die Vermeidung von Abhängigkeiten zu Autokratien.

Dazu ist es allerdings auch in den Demokratien notwendig, den Dialog mit Fanatikern zu führen und nicht etwa deren Medien abzuschalten. Stattdessen sollte der demokratische Staat mit Parlament und Bürgerräten Institutionen für die öffentliche qualitative Aufbereitung von aktuellem Wissen zu schaffen und ggf. die Medien der Fanatiker mit entsprechenden "Faktenchecks" begleiten. Das baut eine Dialogbasis für die ganze Gesellschaft auf und kann an den Schulen genutzt werden, um aktuelles Wissen mit nachvollziehbarer Qualität in praktischem Problemlösen zu nutzen und darin den Umgang mit Nichtwissen zu lernen.
Viel
Fake News entsteht durch unreflektierte Weitergabe von Wissen von Einzelpersonen in den Sozialen Medien ohne die Intelligenz einer kooperativen Prüfung von Fakten und Argumentationen wie es zum Beispiel der Wikipedia, Wikinews, Wikibooks geschieht. Dialog, Kooperation und praktische Anwendung von Wissen ist das beste Mittel gegen Fake News und "absolute" Wahrheiten. Das beste Gegenmittel gegen den Dunning-Kruger-Effekt der Überbewertung des eigenen theoretischen Halbwissens sind eigene praktische Versuche und praktische Kooperation.

Wenn wir eindeutiger zeigen können, dass Demokratien effizienter investieren und das Wohlergehen aller Menschen der Welt sichern können, dann hätten Autokratien weniger Chancen und würden den Frieden weniger bedrohen. Bisher investieren Demokratien zu wenig[8] und oft ineffizient, wie die Beispiele des Bundesrechnungshofes zeigen oder die "Altmaier-Delle" im Rückgang der Investitionen in Erneuerbare Energien in der letzten Regierung Merkel. In der repräsentativen, parlamentarischen Demokratie sind wie im Grundgesetz festgelegt, die "Abgeordneten des Deutschen Bundestages … Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen." Aber auch unabhängige Vertreter bleiben denen, die sie vertreten, dem Volk, Rechenschaft schuldig, zu berichten, was wer warum getan hat, mit welchen Folgen. Sonst hat das Volk auch keine freie Wahl aufgrund von Absichten, Plänen, politischen Betätigungen und deren Auswirkungen aus den zur Wahl stehenden auszuwählen. Für mich sieht es so aus, als ob wir gezwungen sind, weitgehend blind zu wählen, vorwiegend aufgrund von Eigenwerbung und journalistischen Berichten. Eine Weiterentwicklung der parlamentarischen Demokratie würde aus meiner Sicht durch mehr praktische Beteiligung, Zuarbeit und Kontrolle durch die Bürger möglich, z.B. durch Bürgerräte, die Anfragen stellen und die Rechenschaftsberichte durchgehen.

↑↑  Nachwort

Mir hilft, dass mir eine ethische Orientierung möglich scheint, die nicht gewaltfrei den Gewalttätigen zuschaut, aber auch nicht deren Recht des Stärkeren übernimmt. Die nicht tolerant gegenüber den Intoleranten ist und doch nicht intolerant wird, die respektvoll den Respektlosen Grenzen setzt.

Mir ist die Unvollkommenheit meiner Ausführungen bewusst, aber ich meine, das wertvolle Argumente enthalten sind und das der Zeitdruck der durch Krieg und Kampf gequälten Menschen rechtfertigt, das ich eine hoffentlich brauchbare Version veröffentliche und weiterhin verbessere, auch durch Rückmeldungen.
Zu Kritik lade ich herzlich ein und freue mich auf alle Argumente :-D

↑↑  Impressum & Disclaimer

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Impressum &
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[1] dw.com/de/acht-8-milliarden-menschen-auf-der-erde-ressourcen-aufteilen-klimakrise-lebensstil/a-63730669 15.11.22: "Die Welt habe genug Ressourcen, um acht Milliarden Menschen zu ernähren, so Vanessa Pérez-Cirera, die Leiterin der Abteilung für Internationale Ökonomie am World Resources Institute. Auch Milliarden weitere könnten ernährt werden, vorausgesetzt, die derzeitigen Formen der Landnutzung würden überdacht und angepasst, so Pérez-Cirera."…" weniger Konsum tierischer Produkte und eine stärker pflanzlich geprägte Ernährung, ebenso weniger Flugreisen und weniger motorisierter Individualverkehr. Auch müsse die Umstrukturierung unserer Städte angegangen werden. Dabei geht es darum, effizientere Gebäude zu bauen und Alternativen zu Einfamilienhäusern und Ein-Personen-Haushalten zu schaffen,…"

[2] https://www.dw.com/de/historiker-fehlannahmen-haben-putin-zum-krieg-verleitet/a-64181245 Der britische Historiker Mark Galeotti zeichnet "ein klares Bild davon, in welchem Maße sich Putin ein System geschaffen hat, in dem es für die Menschen nachteilig ist, wenn sie ihm die Wahrheit sagen."

[3] Friederich von Schlegel (1772 - 1829): "Je mehr man schon weiß, je mehr hat man noch zu lernen. Mit dem Wissen nimmt das Nichtwissen in gleichem Grade zu, oder vielmehr das Wissen des Nichtwissens." Fragmentensammlungen (Kritische Fragmente, Blüthenstaub, Athenäums-Fragmente, Ideen), 1797-98. Athenäums-Fragmente [267] aphorismen.de/zitat/11608

[4] Ganz schlecht sind die Bevölkerungsgruppen dran, die als Klientel keine große Zahl und keine Macht haben, sondern Unterstützung benötigen - Alleinerziehende stellen nur 1,6 Mill = 2 % der Bevölkerung aber 19% der Familien, Tendenz steigend, sind zu 90% Mütter und 70% parallel berufstätig aber leben zu 44% in Armut. Diese Mütter und ihre Kinder haben durchschnittlich doppelt so viele physische und psychische Krankheiten wie der Durchschnitt. Nach Matthias Franz: http://kindertagespflege-neukirchen.de/onewebmedia/HandoutFranz-OhneGef%C3%BChlegehtesnicht-160301.pdf

[5] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/366/dokumente/uba-kurzpapier_tempolimit_autobahnen_kliv_0.pdf  https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/verkehr/tempolimit-deutsche-autobahn/

[6] Ein schönes Beispiel für Dialogfähigkeit wird in Runen in der Hagia Sophia aus dem 9. Jh. sichtbar. Als die Wikinger daran scheiterten Konstantinopel zu erobern, boten sie sich dem Kaiser des Byzantinischen Reiches als Leibgarde an, nach dem Motto "hast uns ja kämpfen sehn". Das Angebot wurde angenommen und mancher Wikinger langweilte sich beim Gottesdienst …

[7] Nach Gerald Hüther: - Was wir sind und was wir sein könnten Ein neurobiologischer Mutmacher. Fischer Taschenbuch Februar 2013 - Biologie der Angst Wie aus Streß Gefühle werden. Vandenhoeck + Ruprecht Dezember 2013

[8] Paul Collier 2007: The Bottom Billion Why the Poorest Countries Are Failing and What Can Be Done About It S.44 "Andere Forscher haben herausgefunden, dass Demokratien im Allgemeinen zu wenig investieren: Die Regierungen sind so sehr darauf fixiert, die nächste Wahl zu gewinnen, dass sie außer Acht lassen, was danach passieren könnte, und daher Investitionen vernachlässigen, die erst in der Zukunft Früchte tragen werden."